Tag-Archiv für » Zynismus «

Gender: Elternzeit und Jungenspiele

Donnerstag, 17. Juni 2010 13:30

Wenn ich sonst nicht viel Zeit für Nachrichten habe, schaue ich mir gerne die meistgelesenen Artikel auf NYTimes.com an (ganz unten auf der Seite). Dieses Mal finden sich zwei Artikel über Geschlechterrollen und gesellschaftliche Entwicklungen in diesem Bereich, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Einer über Elternzeit in Schweden, von der (wie bei uns seit wenigen Jahren auch) ein Teil nur vom Vater in Anspruch genommen werden kann. Der Erfolg in Schweden ist überzeugend:

Eight in 10 fathers now take a third of the total 13 months of leave — and 9 percent of fathers take 40 percent of the total or more — up from 4 percent a decade ago.

Vor dem Hintergrund macht auch eine durchaus gewagte und diskussionswürdige Aussage der Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei dort Sinn, die als vielleicht bald erste weibliche Regierungschefin dort die Monate, die nur von Vätern abgerufen werden können, auf vier verdoppeln will:

Sometimes politicians have to be ahead of public opinion.

Und dann kann man noch einen Kommentar über ein groß aufgezogenes Casting von Mädchen in Verbindung mit Wetten über die meisten sexuellen Kontakte lesen, das von Jungs an einer Privatschule in einem Vorort von Washington betrieben wurde. Und das meine amerikanische Freundin nicht überrascht und nur wenig empört hat …

Interessant auch, dass es ein empörter Vater eines der Mädchen ist, der in dem Artikel zu Wort kommt. Muss man das als weitere Reproduktion von sozialer Verfügungsgewalt von Männern über Frauen einordnen?

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Wie viel Strom verbrauchen Google-Suchen wirklich

Donnerstag, 1. April 2010 10:43

Ich lese mich gerade mal wieder auf den “Stimmt’s” Seiten der ZEIT fest. Und finde besonders eine Information bemerkenswert: Die Widerlegung der Urban Legend von den Stromverschlingenden Google-Suchen. Immer wieder hört man, das verbrauche so viel Strom wie eine 60-Watt-Glühbirne in einer Stunde, in anderen Worten: 0,06 kWh.

Laut Googles Angaben sind es aber anscheinend 0,0003 kWh, also Strom nur für eine Brenndauer der Lampe von nur 18 Sekunden. Immer noch nicht nichts, aber es macht doch deutlich dass die sonstigen Stromsparbemühungen im Haushalt nicht entwertet werden durch die Benutzung eines Computers. Und in die Richtung geht das Gefühl oft, das durch derartige Legenden erzeugt wird. Weshalb ich an dieser Stelle auch auf meinen Eintrag zur “Macht des Zweifels” und das Thema Zynismus verweise.

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Klimawandel – die Macht des Zweifels

Mittwoch, 3. März 2010 19:03

Ein NYTimes-Artikel über das angeschlagene Image der Klimaforscher ist eine schöne Gelegenheit, einen wiederkehrenden Gedanken der letzten Zeit festzuhalten: über die spannende Rolle des Zweifels im modernen Diskurs.

Traditionell ist man geneigt, das Zweifeln als eine Tugend anzusehen, es ist in der Vorstellung fest mit der Aufklärung verbunden. Und nun tritt – meiner Meinung nach – der Zweifel immer öfter als reaktionäres Element in Erscheinung, was mich zunächst verstört hat. Ich denke, das liegt an den Folgen, die wir für unser Handeln ziehen, wenn eine Sache in Zweifel gezogen wird. Das aufklärerische Ideal ist ein wissenschaftliches Hinschauen, kritische Reflexion auf der Basis von empirischen Erfahrungen, und eine fundierte neue Entscheidung.

Was in der übermäßig komplexen modernen Welt dagegen oft passiert ist ein resigniertes Wegschauen, “ich kann es ja eh nicht wissen”, und – das ist der Knackpunkt – ein Handeln im Sinne des geringsten Widerstands. Am Beispiel Klimawandel sieht das so aus:

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Private Weltverbesserei und der Lauf der Welt – in der ideologischen Falle

Sonntag, 19. Juli 2009 2:31

Im ValueScience-Friends Newsletter meiner ehemaligen kalifornischen “Community” Magic findet sich immer etwas spannendes zu lesen. Diesmal hat ein Artikel mit dem Titel Forger Shorter Showers meine Neugier geweckt.

Die These des Artikels ist eine direkte Konfrontation des “Freiburger Lebenswandels”, auch des meinigen. Die Idee der glücklichen Oase. Kurze Duschen mögen hierzulande weniger revolutionär klingen als in den USA, aber die Idee die Welt besser zu machen (und möglicherweise zu retten), indem man Wasser spart, Müll vermeidet, fair oder regional und biologisch einkauft, möglichst nicht fliegt, … blüht gerade auch in unserer WG.

Der Autor sagt natürlich nicht, dass das schlechte Sachen wären. Er sagt nur, dass sie nicht die richtigen Mittel sind, um die Welt aus dem Schlamassel, das ihr (ökologisch) bevorsteht, zu retten. Seine Einleitung macht deutlich, aus welcher Perspektive er das Problem betrachtet:
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Dann eben grünlich

Donnerstag, 9. Juli 2009 14:32

Die Süddeutsche widmet eine ihrer SZ-Wissen Bildstrecken dem Thema “Öko-Morgana“, und berichtet viele Beispiele, wo im ökologischen Sinn gut gemeint nicht gleich gut gemacht ist. Wobei man dabei den guten Willen sicherlich eher den Verbrauchern als den Unternehmen unterstellen kann, die oft vorsätzlich “greenwashing” betreiben. Das führt aber in ein ganz anderes Thema. Für Verbraucher, die ihren guten Willen wirkungsvoller umsetzten wollen gibt es ein ganz einfaches Fazit:

Golemans Botschaft ist eine andere: Ein industriell hergestelltes Produkt ist nicht einfach grün oder nicht, sondern mehr oder weniger “grünlich”. Auch wenn die Ökobilanz gemessen an den Alternativen günstig ausfällt, sollte es immer noch mit Bedacht benutzt werden.

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Zwischen Biologie und Kultur

Sonntag, 10. Mai 2009 14:09

Ich habe mich in Gespräche mit anderen Psychologiestudenten schon öfter seltsam gefühlt, weil ich gegen das Neuropsycho-Fieber komplett immun zu sein scheine, das in unserer Disziplin ansonsten gerade grassiert. Ich finde neurobiologische Erkenntnisse grundsätzlich sehr interessant, aus einer philosopisch-grundlagenwissenschaftlichen Perspektive. Es geht ihnen meiner Meinung nach aber die praktische Relevanz großteils ab. Wobei diese Aussage an die ganz grundsätzliche Frage nach der relativen Bedeutung biologischer und kultureller Faktoren für unsere Existenz und unsere Eigenschaften rührt. In meiner Prüfungsliteratur für Kulturpsychologie fand ich dazu eine sehr schöne Ausführung, die aber natürlich nicht als neutrale Einschätzung zu lesen ist:

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Alkoholmissbrauch und Kultur

Donnerstag, 30. April 2009 11:53

Ich lese gerade in einem Artikel über die Prävalenz psychischer Störungen eine lustige, weil so nüchtern wissenschaftlich formulierte Erklärung dafür, warum amerikanische (und auch andere internationale) Studien höhere Raten von Alkoholmissbrauch fanden als diese deutsche Studie:

Yet, the low prevalence is surprising since alcohol consumption, according to the WHO world drink trends reports, is comparatively high in Germany. An explanation could be the fact that diagnostic criteria focus more on (culturally and socially determined) inadequacy of drinking behaviour than on absolute quantity of consumption. Therefore, as an example, it is easier to qualify for alcohol abuse in the USA where the consumption of 1.5 litres of beer is labelled as ‘binge drinking’ compared to wide parts of the German society, where this amount is consumed several times a week without further negative social consequences. In particular, young people are more likely to receive a diagnosis of alcohol abuse in the USA where drinking in public is illegal until the age of 21 (Germany: 16 years).

Die 12-Monats-Prävalenz beträgt übrigens auch in dieser Studie immer noch 4,1%, d.h. wenn man jeweils das letzte Jahr betrachtet hatten 4,1% der Deutschen die Diagnose Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit. Nicht eingerechnet die, für die es normal ist ein paar Mal die Woche anderthalb Liter Bier zu trinken …

Jacobi, F., Wittchen, H. U., Hölting, C., Höfler, M., Pfister, H., Müller, N., u. a. (2004). Prevalence, co-morbidity and correlates of mental disorders in the general population: results from the German Health Interview and Examination Survey (GHS). Psychological Medicine, 34(04), 597-611.

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Unmoralische Grenzwanderung

Montag, 10. November 2008 17:55

Das Thema Prostitution ist schon alleine schwierig genug. Als liberal denkender Mensch schwankt man leicht zwischen verschiedenen Gedanken und Gefühlen. Auf der einen Seite macht es Sinn, die Situation durch Legalisierung bzw. Entstigmatisierung zu verbessern. Auf der anderen Seite ist das ganze Phänomen irgendwie elend, und zwar für beide Seiten des Handels, und man wünscht sich andere Lösungen – für die Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses nach Sexualität ebenso wie für den Lebensunterhalt. Noch komplizierter wird es, wenn gar nicht klar ist, wie sehr man dabei überhaupt für die Betroffenen sprechen kann (siehe unten).

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bzw. jetzt.de kämpfen Studentinnen in der Ukraine gegen den Sextourismus in ihrem Land und das Image als Bordell Europas. Da kommt dann noch ein Schuss Neo-Kolonialismus in die komplizierte moralische Lage. Und ein wenig Kapitalismuskritik, wenn die Prostitution nicht nur das Überleben sichert, sondern auch Luxusgüter finanziert. Oder ist das dann die freie Entscheidung einer jungen Frau und ein schönes Beispiel dafür, wie freier Handel das Wohlergehen aller steigert?

Unanständige Angebote

„Für viele Touristen ist jede Ukrainerin eine Nutte“, sagt die 20-jährige Sascha. Die Studentin mit den blonden Haaren kennt das Gefühl, ständig angefasst und wie „ein Stück Fleisch“ angegafft zu werden. Im September ergab eine Umfrage unter 1 200 Studentinnen in Kiew, dass zwei Drittel von ihnen unanständige Angebote von Ausländern bekommen haben. Darüber hinaus gibt es zum Thema Sextourismus kaum offizielle Zahlen. Laut Innenministerium arbeiten 12.000 Prostituierte in der Ukraine – Anna hält die Zahl aber für untertrieben, weil ein großer Teil der Frauen nicht erfasst sei. „Es sind nicht nur Drogensüchtige und arme Frauen, die ihren Körper verkaufen, sondern auch Studentinnen“, sagt sie. Die Mieten in Kiew sind bisweilen doppelt so hoch wie in München und die Stipendien sind karg. Viele Mädchen, sagt sie, kämen mit 17 zum Studium in die Stadt und ließen sich vom Glitzer blenden: iPods gehören ebenso zum Standard wie Taschen von “Gucci”, auch wenn sie nicht echt sind. Viele, so Anna, prostituieren sich für ihr neues Leben.

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Zynismus (III) – Päng! Eine erste Definition

Samstag, 17. Mai 2008 14:04

Nachdem ich schon eine Weile immer wieder um das Thema Zynismus kreise wird es langsam reif zum ernten. Ich bin schon sehr gespannt, wohin sich meine Gedanken wenden, wenn die großen -ismen (Kapitalismus und Zynismus) erstmal versorgt sind. Ich meine damit natürlich nicht, dass ich sie in den nächsten Monaten komplett durchdrungen haben werde. Aber ich glaube, es zeichnet sich ein Punkt ab, wo sich Zwischenergebnisse formulieren lassen, die dann erstmal “alleine” weiter reifen müssen.

Nachdem der Kapitalismus schon seinen ersten großen Beitrag erhalten hat folgt jetzt der Zynismus, vorbereitet war es ja schon.

Dieser erste “große” Zynismusbeitrag ist noch nicht wirklich meine eigene Position, sondern eine Zusammenfassung dessen, was Slotderdijk über Zynismus schreibt. Angesichts des Umfangs von Slotderdijks Werk bin ich darauf aber doch schon ganz stolz, und bin gespannt auf Reaktionen von Lesern – inwiefern passt die Beschreibung zu eurem Erleben eurer Selbst und der Umwelt?

Entstanden ist die Zusammenfassung als Einleitung für eine kulturpsychologische Auseinandersetzung mit dem Thema im Kolloqium an der Uni. Die ganze Hausarbeit gibt es hoffentlich bald auch hier, je nach Fertigstellung und Absprache mit meinen Mitautorinnen.

Aber genug der Vorrede: Was ist Zynismus im Sinne Sloderdijks?

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Lohnkampf der Tomatenpflücker

Donnerstag, 27. Dezember 2007 17:04

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich im Rahmen von Action 5 mit Handelsbeziehungen der globalisierten Wirtschaft, dort am Beispiel der Textilindustrie.

Angriffspunkt für unsere Aktionen dazu in Freiburg sind Verbraucher und der lokale Einzelhandel. Die Hoffnung ist, dass eine veränderte Nachfrage dieser beiden Gruppen die Zustände in der Herstellung verbessern kann.

Ein aktueller Artikel aus der NYTimes ist deshalb in doppelter Hinsicht interessant: Er beschreibt den Verlauf einer ähnlichen Aktion im ganz großen Stil: Aktionen eines breiten Bündnisses gegen bzw. mit McDonalds, Burger King etc., um bessere Arbeitsbedingungen für Tomatenpflücker zu erreichen.

Darüber hinaus liest sich der Artikel als wundervoller Überblick der verschiedenen Positionen zu liberalen oder regulierten Arbeitsmärkten. Ich zitiere einige interessante Passagen, gewürzt mit meinen Gedanken:

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