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Religion und Gewalt – Buchempfehlung

Mittwoch, 29. August 2007 23:38

Ich stelle hier kurz ein Buch vor, auf das ich beim Durchblättern von alten ZEIT-Artikeln gestoßen bin (oh ja, Ferien sind sooo toll!). Habe es natürlich noch nicht selbst gelesen, aber die Rezension klingt so überzeugend, dass ich es mir auf jeden Fall besorgen werde. Falls es irgendwann gebraucht zu haben ist, weil 25 Euro sind schon recht happig.

Jedenfalls scheint das Buch ein Glanzstück historischer Arbeit zu sein, in dem quellennah der Zusammenhang von Religion, besonders monotheistischer und ganz besonders der christlichen, mit „Toleranz und Gewalt“ (so auch der Titel des Buches von Arnold Angenendt) ausgeleuchtet wird.

Ein einfaches Fazit gibt es natürlich nicht. Dafür ein interessanter Gedanke auf den Weg:

Angenendt zeigt, wie eng die Entwicklung des Einzelnen, der sich seiner Individualität auch bewusst ist und sich als verantwortlich und frei versteht, mit der Geschichte des biblischen Monotheismus verbunden ist. Die zahlreichen und zu Recht angeprangerten Verstöße gegen Toleranz und Freiheit in der Geschichte des Christentums erhalten erst dann die Qualität von Untaten, wenn sie an den Ansprüchen dieser Religion gemessen werden.

Die Zeit Nr. 28, 5.7.2007

Ich denke insgesamt kommt das Christentum in dieser Darstellung vermutlich ein wenig besser weg, als ich es bisher betrachtet hatte. Bin jedenfalls sehr gespannt.

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Brechts Krücken

Mittwoch, 29. August 2007 22:01

Eine Freundin teilte heute dieses schöne Gedicht mit mir, und ich finde es schön und denkwürdig genug, es hier hervorzuheben:

Die Krücken (Bertolt Brecht)

Sieben Jahre wollt kein Schritt mir glücken.

Als ich zu dem großen Arzte kam

Fragte er: Wozu die Krücken?

Und ich sagte: Ich bin lahm.

Sagte er: Das ist kein Wunder.

Sei so freundlich zu probieren!

Was dich lähmt, ist dieser Plunder.

Geh, fall, kriech auf allen vieren!

Lachend wie ein Ungeheuer

Nahm er mir die schönen Krücken

Brach sie durch auf meinem Rücken

Warf sie lachend in das Feuer.

Nun, ich bin kuriert: ich gehe.

Mich kurierte ein Gelächter.

Nur zuweilen, wenn ich Hölzer sehe

Gehe ich für Stunden etwas schlechter.

Mir persönlich macht es schon ein bisschen Angst, wenn ich versuche das Gedicht auf das „richtige Leben“ zu übertragen, mich mir selbst gedanklich auszumalen ohne die Krücken und Stützen, derer ich mich gewöhnlich bediene, die aber natürlich auch Einschränkungen sind. Ich glaube da kommt sehr gut das Gefühl des Gedichts bei mir an :-) Ob ein Gelächter wirklich so befreiend sein kann, diesen Bann zu brechen? Vielleicht muss es wirklich das Lachen eines Ungeheuers sein…

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Boogie Woogie, und mal wieder das Internet toll finden …

Dienstag, 28. August 2007 15:55

Habe heute Riesenlust auf Boogie-Woogie bekommen, und dann mit ein paar Filmen in Youtube weiter angeheizt, zum Beispiel diesem hier:

Und dann bietet Youtube zum Glück auch Material, um von Schauen zum Machen zu schreiten, etwa mit einer Serie von Boogie-Lektionen für Klavier, die erste findet sich hier: http://youtube.com/watch?v=XdQDvlqDqJM

Yuhu, es lebe das Internet-Zeitalter, und es leben die Sommerferien :-)

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Lieblingslied heute: Mess around

Samstag, 25. August 2007 1:57

Ein weiterer Hoffnungsvoller Start in eine Serie: Musik, die mich heute bewegt. Und heute (das heißt in der Nacht von Freitag auf Samstag gegen zwei Uhr, aber auch schon einen ganzen Teil des Abends) finde ich eines der besten Lieder der Welt: „Mess Around“ von Ray Charles.

now uh, when i say stop
don’t you move a peg
when i say go
just uh, shake your leg

Es wird dringend Zeit mal wieder tanzen zu gehen. Morgen Abend ist im Jazzhaus der „Summer of Love“ :-)

Wer übrigens auf Amazon nach der CD „Ray“ sucht kann dort reinhören, oder im iTunes Store.

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Schöne deutsche Sprache

Samstag, 23. Juni 2007 0:17

Ich höre und lese immer mit Vergnügen, wenn in anderen Sprachen deutsche Wörter auftauchen. Irgendwie finde ich das ein Symbol für eine spannende philosophische Vergangenheit, und gleichzeitig Quelle für interessante interkulturelle Überlegungen. Was sagt es über die kulturelle Bedingtheit von menschlichen Erfahrungen, dass bestimmte Menschengruppen offensichtlich lange Zeit ohne Begriffe auskamen, die uns selbstverständlich sind? Und dass sie sie dann irgendwie und irgendwann doch nützlich fanden?

Konkret tauchte jetzt im Anfang des Technologie-Newsletters der NYTimes, geschrieben vom berühmten David Pogue, ein Wort auf, worauf ich nicht so stolz bin:

Readers seem to love it when they hear about tech “experts” like me getting trapped in technical hell. Seems to be a form of schadenfreude, that delicious German word meaning, “taking pleasure in other people’s misfortune.”

In any case, here’s a great one for all you schadenfreudians.

Finding a Hassle-Free Way to Send Files

Wie komisch dieses Konzept eigentlich ist macht mir erst die englische Definition klar, es hilft doch oft, die Dinge aus der Ferne zu betrachten:

pleasure derived by someone from another person’s misfortune.

ORIGIN German, from Schaden ‘harm’ + Freude ‘joy.’
(aus dem schönen „Oxford American Dictionaries“, das mein Mac kostenlos dabei hat… ;-) )

Hm. Was bleibt da noch zu sagen?

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Theater-Werbung: Willkommen in San Diego

Mittwoch, 13. Juni 2007 22:25

Liebe Theaterfreunde!

Der Fudder, Freiburger Online-Stadtmagazin, hat einen netten Beitrag über uns: Fudder über San-Diego. Man könnte das Stück treffender beschreiben, aber auch weiter daneben liegen, und die Bilder sind von unseren Proben, ich finde sehr schön. Hier zum Beispiel ein erster Eindruck von meiner Rolle:

Graugans und Päpste

Es lohnt sich zu kommen!

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Theaterspieler leben gefährlich

Montag, 11. Juni 2007 15:40

Erstens möchte ich an dieser Stelle auf unsere baldige Aufführung hinweisen, Eintritt frei, garantiert super lustig und anregend!

Hier aus Freude über die schöne Arbeit ein Bild unseres Flyers und Plakats:

Flyer San Diego

Plakat San Diego

Und zweitens einen kleinen Hinweis auf eine schlimme Meldung geben: Neonazis haben in Sachsen-Anhalt eine Theatergruppe wüst zugerichtet: Spiegel Online. Wann werden wir endlich in einer Welt leben, in der so etwas nicht mehr passiert? Können wir durch Theater dazu beitragen?

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Graswurzel-Journalismus

Dienstag, 20. März 2007 15:57

Mit Assignment Zero entsteht gerade ein Projekt, das den Journalismus endgültig aus der Hand weniger Experten in die Masse entlassen soll.

Der Gedanke ist bestechend: Es werden Informationen zusammengetragen, die jeder aus erster Hand hat. Jeder ist Experte für irgendwas. Allerdings entsteht auch dort sofort das Wikipedia-Problem: Wer kontrolliert, wer gewichtet, wer bewertet? Alles zentrale Aufgaben eines „echten“ Journalisten.

Bin trotzdem gespannt:

Journalism has always been a product of networks. A reporter receives an assignment, begins calling „sources“ — people he or she knows or can find. More calls follow and, with luck and a deadline looming, the reporter will gain enough mastery of the topic to sit down at a keyboard and tell the world a story.

A new experiment wants to broaden the network to include readers and their sources. Assignment Zero (zero.newassignment.net/), a collaboration between Wired magazine and NewAssignment.Net, the experimental journalism site established by Jay Rosen, a professor of journalism at New York University, intends to use not only the wisdom of the crowd, but their combined reporting efforts — an approach that has come to be called „crowdsourcing.“

Can large groups of widely scattered people, working together voluntarily on the net, report on something happening in their world right now, and by dividing the work wisely tell the story more completely, while hitting high standards in truth, accuracy and free expression?“ Professor Rosen asked last week on Wired.com.

All the World’s a Story — New York Times

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Unternehmen in der Verantwortung

Dienstag, 20. März 2007 15:39

Unser Bundespräsident mahnt die Unternehmen zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung, dasselbe tut die Bundeskanzlerin. Durchaus in schönen Worten, hier zum Beispiel Köhler:

„Es reicht nicht mehr, sich nur um die Arbeitnehmer zu kümmern und ab dem Werkstor ist es wurscht“, sagte Bundespräsident Horst Köhler dem Magazin Focus.

Köhler wies die Firmen auf eine Fülle von Möglichkeiten hin, sich zu beteiligen, wie die Ausstattung von Schulen mit Computern oder die Renovierung von Klassenräumen.

Nur gesunde Unternehmen können sich sozial engagieren“, sagte der Bundespräsident, der auf seiner Lateinamerika-Reise zahlreiche sozial engagierte Unternehmer getroffen hatte. „Aber nur Unternehmen, die sich sozial engagieren, bleiben auf Dauer auch erfolgreich.“

Appell des Bundespräsidenten Köhler mahnt deutsche Wirtschaft zu mehr Verantwortung — Deutschland — sueddeutsche.de (Hervorhebung von mir)

Erstens wäre es schon mal nett, wenn sich um Arbeitnehmer gekümmert würde.

Zweitens hat Köhlers Aussage einen ganz zentralen Haken. Die hervorgehobene Behauptung ist nämlich erst mal das: eine Behauptung. Warum es sich für die Unternehmen lohnen soll, sich zu engageiren, leuchtet mir nicht ein.

Wobei ich an der Stelle betonen möchte, dass es sich natürlich lohnt, als sozial engagiert in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Allerdings ist echtes Engagement dafür meiner Meinung nach so ungefähr der schlechteste Weg. Und die immens wachsenden Ausgaben für PR legen nahe, dass das nicht nur ich so sehe.

Irgendwie hat das Thema einen Bezug zur Evolutionstheorie. Wie soll in einem „grausamen“ System, in dem jeder für sich selbst sorgen, jeder individuell vorankommen muss (sei das nun das Verbreiten der Gene oder erhöhen des Gewinns) sich selbstloses Verhalten entwickeln?

In der „natürlichen“ Evolution scheint das vielleicht doch möglich zu sein, wie ich heute bereits geschrieben habe. Dann wollen wir für die Ökonomie mal das Beste hoffen.

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Sprachpsychologie – Wie Wörter sich anfühlen

Dienstag, 20. März 2007 15:15

Sprache transportiert nicht nur rationale Inhalte, sondern auch emotionale. Soweit ist das selbstverständlich. Spannend ist, dass tatsächlich bestimmte Wörter kulturell geteilt mit bestimmten Gefühlen verbunden sind. Und dass die Kommunikation dadurch ganz subtil eine bestimmte Färbung bekommt.

Wie oft denkt man schon darüber nach, was im Wort „Manager“ mitklingt? Ich gestehe, bei mir persönlich ist das Gefühl in diesem Fall auch nicht so toll.

Und wie so oft wird der Blick für diese Phänomene erst im Kontrast zu anderen Kulturen möglich. Hier ist spannende Forschung zu dem Thema, aus der Süddeutschen:

„Der Manager fühlt sich in Deutschland an wie ein Metzger: ziemlich dynamisch, ziemlich mächtig und ziemlich negativ.“ Das ist kein Satz eines Verächters marktwirtschaftlicher Unternehmensstrukturen oder eines geplagten Angestellten. Er ist das stichfeste Ergebnis einer Studie zum Gefühlsgehalt von Wörtern, die am Psychologischen Institut der Humboldt-Universität in Berlin entsteht.

Bestimmte Wörter können in unterschiedlichen Sprachgemeinschaften jedoch deutlich andere Gefühle auslösen: In den Vereinigten Staaten evozieren Wörter aus dem sexuellem Kontext starke Emotionen: Sie fühlen sich an wie Zorn oder Gewalt, während ein Deutscher recht emotionslos auf das Wort „homosexuell“ reagiert.

Der Manager dagegen wird in den USA eher wie ein Richter empfunden: Mächtig, aber beruhigend –dort folgt man gerne seinen Anweisungen. Das ergaben Studien David Heises von der Indiana University, der bereits eine Art Wörter-Gefühlslexikon für die USA erstellt hat.

Kulturen unterscheiden sich auch darin, wie sie zur Macht stehen“, sagt Schröder. US-Amerikaner zum Beispiel haben, anders als Deutsche, dem emotionalen Gehalt zufolge, den sie Managern, Richtern, Präsidenten oder Gott zuweisen, ein eher positives Verhältnis zur Machtfülle. Zwar können mit dieser Methode zum Messen des Gefühlsgehalts keine Erkenntnisse darüber gewonnen werden, weshalb Wörter in verschiedenen Kulturen unterschiedlich besetzt sind.

Aber sie liefert zum Beispiel eine Möglichkeit, die These des Kriminologen Christian Pfeiffer zu überprüfen, nach der Deutsche, die in der DDR aufwuchsen, autoritätshöriger seien als ihre Brüder und Schwestern aus dem Westen und es daher unter ihnen mehr Rechtsextreme gebe. „Wenn ein Mensch Wörter, die mit Macht verbunden werden, als angenehm empfindet“, sagt der Psychologe, „so ist davon auszugehen, dass er ein positives Verhältnis zu Autorität hat.“

Sprachpsychologie Schlächter Beigeschmack — Kultur — sueddeutsche.de

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