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Krieg und Frieden — zivile Perspektiven für Soldaten

Dienstag, 18. November 2008 20:16

Ein kleines Aperçu, traurig und lustig zugleich, mal wieder das Zitat des Tages aus dem NYTimes-Newsletter.

You fill out a job application and you can’t write ‘long-range reconnaissance and sniper skills.’„
ANDREW SPURLOCK, an Army infantryman who was disabled in the Iraq war, on his search for a job that paid better than delivering pizzas.

Eigentlich nur traurig, das gequälte Schmunzeln rührt daher, dass dieser Mann die Absurdität der Situation so gut auf den Punkt bringt. Und immer wieder die Frage: Ist es das ganze wirklich wert?

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Der kleine Widerstand

Montag, 17. November 2008 16:25

In der Süddeutschen Zeitung hat Heribert Prantl einen schönen Kommentar zu den Demonstrationen in Gorleben geschrieben. Abgesehen von der verdienten Würdigung des jahrzehntelangen Engagements der Menschen dort findet sich ein interessanter Absatz zur Sitzblockade:

[…]

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Islamofaschismus

Freitag, 31. Oktober 2008 1:04

Noch in Stanford (genauer: vor der wunderschönen Landschaft im Yosemite Nationalpark, was sich durchaus etwas schräg angefühlt hat) hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund meines Professors dort. Er stellte sich selbst im wesentlichen als New Yorker Jude und Neo-Con vor. Und erklärte mir, dass er vor allem wegen der Außenpolitik zwei Mal Bush gewählt habe, und jetzt McCain wählen werde. Wichtig sei vor allem, dass ein Präsident die Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus erkenne und ernst nähme. Dieser wird in einer Serie mit Sowjetkommunismus und Nazi-Faschismus als Bedrohung der freien Welt gesehen und entsprechend auch als Islamofaschismus bezeichnet.

Angesichts einer offensichtlich starken emotionalen Bindung an Israel konnte ich diese Argumentation nachfühlen, wenn auch nicht teilen. Aber offensichtlich ist er mit dieser Einschätzung tatsächlich bei weitem nicht allein, wie ein Kommentar in der NYTimes aufzeigt. Und macht mit McCain wohl wirklich eine gute Wahl:

“The transcendent challenge of our time [is] the threat of radical Islamic terrorism,” Senator McCain said in a major foreign policy speech this year, adding, “Any president who does not regard this threat as transcending all others does not deserve to sit in the White House.”

That’s a widespread conservative belief. Mitt Romney compared the threat of militant Islam to that from Nazi Germany or the Soviet Union. Some conservative groups even marked “Islamofascism Awareness Week” earlier this month.

Bleibt nur, wirklich richtig auf Obamas Sieg zu hoffen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was jemand im In– und Ausland anrichten kann, der im islamischen Terrorismus die alles überragende Herausforderung dieser Zeit sieht. Dabei dachte ich bisher, McCain sei relativ gemäßigt. Naja, relativ zu Bush stimmt das wohl auch…

Hier übrigens, was ein nicht-NeoCon zu diesen Gedanken sagt:

[…]

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Mehr Schlafen

Donnerstag, 2. Oktober 2008 1:21

Ein sehr schöner Aspekt des Lebens hier in „Magic“ sind die gemeinsamen Abendessen, und besonders die buntgemischten Gäste, die oft auftauchen. Alternativ gesinnte Reisende aus aller Welt, aber auch ideologisch weit entfernte Menschen wie ein ehemaliger Pharma-Forscher, der jetzt in einer Venture Capital-Firma ist, teilen sich spärlich gewürzte Bio-Wochenmarkt-Abfälle.

Vor einer Weile hatte ich ein spannendes Gespräch mit einer Biologin und Psychologin aus Stanford, die dabei ist sich mit einer Schlaf-Beratungsfirma selbständig zu machen. Anscheinend erzielt sie erstaunliche Resultate mit Sportlern, indem sie ihren Schlaf optimiert. Und dabei ist das Optimieren gar keine so komplizierte Sache. Der erste und wichtigste Punkt ist: mehr schlafen. Von meiner fürsorglichen Mutter ohnehin regelmäßig ermahnt, das Schlafen nicht zu vergessen, hat mich das so schnell nicht mehr losgelassen. Nicht nur behauptet sie, dass ein normaler Mensch um wirklich gut zu funktionieren ca. 9,5 Stunden Schlaf braucht. Sie sagt auch, dass wir alle mit einem dicken Schlafdefizit herumlaufen, das man sich wirklich wie ein Minus auf dem Konto vorstellen muss, und das Monate braucht um abgebaut zu werden. Dazu lässt sie die von ihr gecoachten Sportler mindestens 10, besser 12 Stunden pro Nacht schlafen. Der Effekt ist eine kontinuierliche Verbesserung in vielen körperlichen und geistigen Leistungsmaßen, bis irgendwann ein neues Plateau erreicht ist.

Ein NYTimes-Artikel hat mich jetzt nochmal mit dem Thema in Berührung gebracht. Zunächst wird eine Beobachtung bestätigt, die ich selbst gemacht habe: Die Schlaffeindlichkeit, die vermutlich tatsächlich alle industrialisierten Kulturen gemeinsam haben, ist hier in Amerika und besonders unter den „High Performern“ in Wirtschaft und Wissenschaft noch mal einen Tick schärfer:

[…]

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Amerikanische Nachrichtenkultur

Freitag, 26. September 2008 8:24

Keine Angst liebe Freunde, das wird kein zynischer Beitrag. Das ist ein Hinweis, den ich lustigerweise ursprünglich selbst über den Verteiler unserer guten Freunde von AID (Spezialisten in verbaler Armutsbekämpfung) bekommen habe. Es geht um die „Daily Show with Jon Stewart“, eine satirische Nachrichtensendung. Hier eine Sendung, die die große Bankenkrise, Präsidente Bush und hoffentlich-nicht-Präsident McCain abdeckt: 25.9.2008. Eine Seitenhieb auf die dunkle Seite Nachrichtenwesen in Gestalt von Fox News ist aber doch dabei, für alle die „Nachrichtenkultur“ und „amerikanisch“ zusammen eher als dissonant klingend empfinden.

Die Sendungen sind übrigens alle umsonst im Netz zu sehen, respekt!

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Präsidentschaftswahlen

Mittwoch, 24. September 2008 3:55

Eine Sache, die mich hier in Stanford natürlich sehr beschäftigt sind die anstehenden Präsidentschaftswahlen. Kalifornien wird dabei als bereits entschieden betrachtet — hier werden wohl die Demokraten die Wahlmännerstimmen bekommen, in interessantem Widerspruch zur Wahl von Arnold Schwarzenegger als Gouverneur.

Insgesamt ist dadurch aber die Stimmung hier sehr ruhig, beinahe desinteressiert. Abgesehen davon ist unter jungen Leuten die Stimmung ähnlich polarisiert wie in Deutschland: Bush/McCain/Republikaner sind komplett indiskutabel. Da also sowieso jeder weiß was er und andere Leute wählen hat man nicht viel zu bereden, man wartet halt und hofft. Ein wenig Aufruhr hat die Wahl von Palin als „Running Mate“ bzw. Vize-Präsidentschaftskandidatin verursacht, was allgemein als sehr geschickter Schachzug angesehen wurde. Denn obwohl die Dame dem tief rechten Flügel der Republikaner zugeschrieben werden muss erwartet man, dass viele Frauen es so revolutionär und wichtig fänden, eine Frau als Vizepräsidentin und (angesichts McCains‘ Alter und Gesundheitszustand) potenzielle Präsidentin zu haben, dass ihr das eine Menge Stimmen einbringt. Naja, hoffen wir auf die Vernunft der amerikanischen Frauen…

Hier abschließend noch ein Hinweis auf interessante Informationsquellen. Zum einen gefällt mir eine interaktive Karte der NYTimes sehr gut, die eine Gesamtprognose, Wahlumfragen, bisherige Wahlergebnisse und einen kleinen Erklärungstext bietet.

Darüber hinaus hat sich die „Vorhersagenbörse“ Intrade bewährt. Hier war übrigens der Palin-Schock deutlich abzulesen, Obama war von bequemen 60% auf unter 50% gerutscht. Mittlerweile hat sich das erholt, und wenn man sich die Karte mit einzelnen Staaten anschaut kann man glaube ich Mut fassen. Abgesehen davon, dass die flächenmäßige Übermacht der Republikaner einen auf den ersten Blick ziemlich einschüchtert.

Mein politisches Fazit des USA-Aufenthaltes ist damit: „Die Staaten“ sind einfach genau das: Sehr verschiedene Staaten, die abgesehen von der geteilten Sprache sehr lose zusammenhängen.

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Internet und Freiheit

Sonntag, 31. August 2008 7:21

Das Internet ist ja im wesentlichen ein zentraler Teil der großen Konsummaschine geworden. Mir macht es aber in und wieder ein angenehmes Kribbeln, wenn ich lese, dass es immer noch Teil verschiedener emanzipatorischer Bewegungen sein kann. Unter Umständen sind die dann sogar mit Geschäftsinteressen verbunden, wie im Fall der Emanzipation von dem zunehmend paranoider werdenden US-Staatsapparat. Immer mehr Länder und Unternehmen versuchen anscheinend zu vermeiden, dass ihr Internetverkehr über die USA läuft, wo die Sicherheitsdienste mindestens seit dem Patriot Act alles mithören:

Indeed, Internet industry executives and government officials have acknowledged that Internet traffic passing through the switching equipment of companies based in the United States has proved a distinct advantage for American intelligence agencies. In December 2005, The New York Times reported that the National Security Agency had established a program with the cooperation of American telecommunications firms that included the interception of foreign Internet communications.

Some Internet technologists and privacy advocates say those actions and other government policies may be hastening the shift in Canadian and European traffic away from the United States.

“Since passage of the Patriot Act, many companies based outside of the United States have been reluctant to store client information in the U.S.,” said Marc Rotenberg, executive director of the Electronic Privacy Information Center in Washington. “There is an ongoing concern that U.S. intelligence agencies will gather this information without legal process. There is particular sensitivity about access to financial information as well as communications and Internet traffic that goes through U.S. switches.”

Internet Traffic Begins to Bypass the U.S. — NYTimes.com

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China — Internetzensur zum Anschauen

Samstag, 9. August 2008 7:24

Ein nur mäßiger interessanter NYTimes-Artikel über gesperrte Wörter in E-Mail-Adressen verschiedener Freemail-Anbieter birgt einen hochinteressanten Hinweis: Wenn man von der englischen und chinesischen Google-Seite aus nach Bildern zu „tiananmen“ sucht (Bezieht sich auf den „Platz des Himmlischen Friedens“ bzw. das Massaker von 1989 dort) findet man eine unglaubliche Abweichung: google.cn vs. google.com.

Macht das abstrakte Thema Internet-Zensur sehr anschaulich, finde ich. Und bringt mich schon ins Grübeln, über die Situation in China genauso wie über die Frage, ob westliche Firmen da wirklich so fleißig mitmachen müssen. Wie war das noch mit Corporate Social Responsibility und so?

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Politik mit harten Bandagen — ein schöner McCain-Zerriss

Freitag, 25. Juli 2008 22:28

In amerikanischen Zeitungen darf man als Op-Ed (Wikipedia erklärt was es genau ist) mutig seine persönliche Meinung schreiben. Und diese Freiheit kann man nutzen, um z.B. den Kandidaten McCain so richtig gründlich zu zerreissen. Wenn man das gelesen hat bleibt das Gefühl zurück, diesen Mann zu wählen sei eine noch größere Katastrophe für Amerika, als Bush gewesen ist. Wow. Ist vielleicht als politische Meinungsbildung nicht zu ernst zu nehmen, aber literarisch auf jeden Fall interessant. Hier ein Ausschnitt:

[…]

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Abschied von der Ordnungsökonomik — Markt, Lobbyismus und Politik

Freitag, 25. Juli 2008 22:02

In einem Artikel über Obamas Ausstieg aus der staatlichen Parteienfinanzierung hatte ich schon darüber spekuliert, was das für den demokratischen Prozess bedeutet. Es scheint mir relativ klar, dass ökonomisch starke Interessengruppen weit überproportional auf die demokratische Entscheidungsfindung wirken.

Hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür: Viele Europäer hoffen auf Obama als Präsident und erwarten einen echten Neuanfang in der amerikanischen Politik von ihm. In vielen Punkten mögen sie recht haben. Im Artikel „Obama Camp Closely Linked With Ethanol“ lesen wir allerdings die Folge davon, dass auch Obama eine Politik machen muss, die seinen Geldgebern passt. Hier handelt es sich um Subventionen für Biokraftstoff aus Mais. In diesem Fall besonders schockierend und schmerzhaft, weil seine Haltung aus verschiedenen Perspektiven komplett irrational und inkonsistent scheint. Erstens haben sich die ökologischen Hoffnungen auf Biokraftsftoffe ziemlich gründlich erledigt. Zweitens befördert er einen weltwirtschaftlich gesehen sehr fragwürdigen Protektionismus gegenüber Biokraftstoff aus Südamerika. Die Rolle der „Biokraftstoffe“ für die weltweiten Nahrungsmittelpreise ist ein weiteres Problem. Die naheliegende Lösung scheitert am Einfluss von Interessengruppen:

Many economists, consumer advocates, environmental experts and tax groups have been critical of corn ethanol programs as a boondoggle that benefits agribusiness conglomerates more than small farmers. Those complaints have intensified recently as corn prices have risen sharply in tandem with oil prices and corn normally used for food stock has been diverted to ethanol production.

“If you want to take some of the pressure off this market, the obvious thing to do is lower that tariff and let some Brazilian ethanol come in,” said C. Ford Runge, an economist specializing in commodities and trade policy at the Center for International Food and Agricultural Policy at the University of Minnesota. “But one of the fundamental reasons biofuels policy is so out of whack with markets and reality is that interest group politics have been so dominant in the construction of the subsidies that support it.”

Meiner Meinung nach entpuppt sich die schöne Idee eines freien, effizienten Marktes, der von einem Ordnung schaffenden Staat eingerahmt wird, immer mehr als Illusion. Weil die Kräfte im Markt ihren eigenen Rahmen zimmern. Stellt sich natürlich die Frage, wie es statt dessen weitergehen kann?

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