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Story of Stuff

Sonntag, 20. Juli 2008 13:14

Ich bin gerade zufällig über ein sehr cooles Video gestolpert, das die „Story of Stuff“ erzählt, also die Hintergründe der materiellen Seite unseres Lebens beleuchtet. Der kritische Konsument hört natürlich viele Sachen nicht zum ersten Mal, und die eine oder andere zu einfache Vereinfachung fällt auch auf. Aber erstens ist es so schön und kreativ gemacht, dass auch Passagen mit bekannten Inhalten vergnüglich anzusehen sind. Darüber hinaus finden sich auf jeden Fall einige neue oder für mich vorher nicht so prägnant zugespitzte Infos. Und zweitens braucht man von 20 Minuten Film ja keine allumfassende Darstellung der Wirklichkeit zu erwarten. Die Seite, die in dem Film zu kurz kommt, kennen wir jedenfalls alle gut genug…

Der Film ist recht lang, lohnt sich aber wirklich: storyofstuff.com. Und ungeduldige können sich in den „Teasern“ auf Youtube erstmal einen Einblick verschaffen:

Externalisierung

Die Tretmühle

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Die Wähler und die Zahler

Montag, 23. Juni 2008 9:55

Eine erstaunliche Meldung aus Amerika: Obama wird ohne öffentliche Gelder für seine Kampagne Wahlkampf machen. Denn dann wären seine Möglichkeiten, private Spenden anzuwerben, eingeschränkt:

The public financing system limits the amount of money that campaigns can spend in return for the public money. It was set up to reduce the influence of private donations in the political process.

Das Gesetz ist dafür gedacht, den Einfluss von Privatspenden in der Politik einzugrenzen. Aber anscheinend wiegt selbst dickes staatliches Geld mittlerweile die privaten Geldströme nicht mehr auf:

In making its decision to bypass public financing, the campaign declined an infusion of $84.1 million in money from federal taxpayers. The decision means that Mr. Obama will have to spend considerably more time raising money — he will head to California next week to open the effort — at the expense of spending time meeting voters.

To make the exchange worthwhile, aides said, Mr. Obama would need to raise at least twice as much money than he would have received under public financing, with a goal of raising three times as much.

Wessen Wille zählt dann wie viel im demokratischen Prozess? Ist das im Ergebnis eine Staatsmacht, die in der Lage ist den freien Markt zu regulieren, wo nötig?

Die Antworten sind eigentlich klar. Aber sie hören sich nicht gut an.

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Schuld und Sühne – Amerikas Gefängnisse

Mittwoch, 23. April 2008 22:14

Ein interessantes Aperçu von heute: Manchmal macht es einfach Spaß, die Welt durch die Brille der Zahlen zu betrachten. Etwa so:

Inmate Count in U.S. Dwarfs Other Nations’ — New York Times
The United States has less than 5 percent of the world’s population. But it has almost a quarter of the world’s prisoners.

Das ist anscheinend auf ein spezifisch amerikanisches Rechtsempfinden (verbunden mit einer entsprechenden Praxis) zurückzuführen, deren Essenz bereits im Titel genannt ist.

Eine weitere Stelle des Artikels hat mich zu psychologischen Spekulationen angeregt:

San Marino, with a population of about 30,000, is at the end of the long list of 218 countries compiled by the center. It has a single prisoner.

Wie der sich wohl fühlt?

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Mensch und Markt — Kapitalismus aus einer psychologischen Perspektive

Mittwoch, 16. April 2008 18:06

mal wieder ein Doppel-Post mit dem Zunehmenden Grenznutzen – Ein Besuch lohnt sich ;-)

Abstract: Der folgende Artikel geht zunächst auf die emotionale Anziehungskraft und Eleganz marktwirtschaftlicher Theorien ein. Es wird die These aufgestellt, dass unsere heutige Gesellschaft dennoch weniger freien Markt braucht. Eine geplante Beitragsreihe wird kurz vorgestellt, die diese These erläutern wird. In diesem ersten Beitrag wird entsprechend ausgeführt, dass im komplexer werdenden freien Markt die Konsumenten wachsende Kosten der Informationsbeschaffung zu tragen haben, dennoch strukturell oft nicht das bekommen können, was ihren Bedürfnisse entspräche, und ihre Bedürfnisse künstlich verändert werden.

Ich denke (und hoffe!) jede Studentin und jeder Student, der oder die sich mit den Wirtschaftswissenschaften befasst, kennt den eigentümlichen Zauber, der von Markttheorien ausgeht. Es ist die einzige mir bekannte sozialwissenschaftliche Theorieschule, die es an Eleganz mit physikalischen Formeln aufnehmen kann. Nur wenige Prämissen über den Menschen sind nötig, und es lässt sich ein System entwerfen, in dem aus dem egoistischen Streben jedes Einzelnen das größte Wohl für alle hervorgeht.

Natürlich, diese Prämissen zu akzeptieren verlangt oft, beide Augen fest zuzudrücken, sich weit von der eigenen Erfahrung zu entfernen. Allerdings lehrt uns die VWL-nahe Wissenschaftstheorie: Auch eine Theorie mit fehlerhaften Prämissen kann gut sein, wenn sie gute Vorhersagen macht. Nachdem die marktwirtschaftlichen Theorien sich diesbezüglich in vielen Bereichen ja gut schlagen, bleibt nur eine gewisse Verwunderung (oder Trauer), dass die politischen Maßnahmen, die sich aus ihnen ableiten lassen, bei Politiker und Wählern wenig Gegenliebe finden und nie in der Reinheit und Konsequenz, die ein Wirtschaftswissenschaftler richtig fände, umgesetzt werden.

Diese fehlende Umsetzung ist vielleicht aber auch ein Glück für die Markttheorien: sie erspart ihnen die entscheidende Bewährungsprobe. Denn ich bin überzeugt, dass sie an dieser Bewährung scheitern würden — weil ihre Annahmen über die Natur des Menschen, aus dem sich das wirtschaftliche System aufbaut, grob fehlerhaft sind, und diese Fehler nicht nur zu geringfügigen Unregelmäßigkeiten führen, wie sie allgemein anerkannt sind, sondern dem System eine ganz andere Dynamik und Richtung geben.

Und ich bin überzeugt, dass diese Mängel mit zunehmender Komplexität und Differenziertheit stärker ins Gewicht fallen. Woraus ich folgere, dass wir nicht nur davon absehen sollten, unser Wirtschaftssystem weiter an eine ideale Marktwirtschaft anzunähern, sondern in vielen Bereichen einen entgegengesetzten Weg beschreiten sollten.

Mehr Markt, mehr Konkurrenz, mehr Kapitalismus bedeuten für die heutige Welt schärfere soziale Ungleichheit, Stress und Leistungsdruck für den Einzelnen, ein Abschwächen von sozialem Verhalten und Verstärken von Egoismus. Produktion und Konsum entfernen sich immer weiter von den eigentlichen Bedürfnissen der Menschen und das politische System wird zunehmend von Akteuren der ökonomischen Sphäre beeinflusst, was es etwa erschwert, Ökologie und Klimaschutz im nötigen Maße voranzutreiben.

Diese Thesen werde ich in diesem und einer kleinen Reihe weitere Beiträge zu belegen versuchen, indem ich die Psychologie des Marktes aus verschiedenen Perspektiven beleuchte: Zunächst die psychologischen Eigenschaften des Menschen in seiner Rolle als Konsument, und die Folgen daraus für die Marktwirtschaft. Dann (in späteren Beiträgen) die „Psyche der Unternehmung“ bzw. des Menschen in seiner Rolle als Arbeiter, Angestellter, Manager, Unternehmer, weiterhin die „Eigendynamik des Eigennutzes“ bzw. die Folgen der Marktwirtschaft für den Menschen als soziales Wesen, und schließlich die Verflechtung von Wirtschaft und Politik.

Doch hiermit genug der Vorrede und auf ins erste Kapitel:

[…]

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Regierungsaufgaben oder auch nicht

Donnerstag, 27. März 2008 2:03

Mit mehreren größeren Beiträgen in Aussicht, die einfach nicht ganz fertig werden wollen (ach, Semesterferien können so hektisch sein, ich hoffe das Semester wird ruhiger :-/ ) hier nur mal wieder ein kleines Aperçu zwischendurch: Ein Zitat aus dem Präsidentschaftswahlkampf:

It is not the duty of government to bail out and reward those who act irresponsibly, whether they are big banks or small borrowers.“ – JOHN MCCAIN

So kann man das natürlich sehen.

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Wahlen in Russland

Samstag, 17. November 2007 12:49

Gerade lese ich zu meinem Schrecken im NYTimes-Newsletter, dass die russischen Parlamentswahlen am 2. Dezemeber ohne die Wahlbeobachter der OSZE stattfinden werden. Die Wahlbeobachtungsgruppe hat sich wegen zu starker Einschränkungen der Arbeit zum Rückzug entschlossen. Das ist natürlich ein bisschen politischer Poker. Dennoch: Die ersten russischen Wahlen ohne Wahlbeobachter seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, und voraussichtlich eine überwältigende Mehrheit für Putins Partei.

The group, the Office for Democratic Institutions and Human Rights, or O.D.I.H.R., cited what it called unacceptable Russian demands to limit the mission’s size, making it impossible to determine whether the elections are marred by fraud. It also noted the failure on the part of the Russian authorities to issue visas for its advance team, with only two weeks to go before the vote. The Warsaw-based group said in a statement that Russia had so curtailed its work that it would be “unable to deliver its mandate under these circumstances.”

Beim Wahlbetrug geht es ja nicht nur um verschwundene oder nicht gezählte Wahlzettel (bei der ersten Präsidentenwahl mit George W. Bush). Sondern in Russland vor allem um Versammlungs– und Pressefreiheit für die Oppisition:

The observers evaluate opposition groups’ freedom to assemble, campaign and gain access to news media throughout the former Soviet Union. In Russia, the Organization for Security and Cooperation in Europe, or O.S.C.E., concluded in a statement that “the authorities of the Russian Federation remain unwilling to receive O.D.I.H.R. observers in a timely and cooperative manner.”

Dabei können die Wahlbeobachter durchaus etwas bewirken. Aber vermutlich ist das genau der Grund, warum sie nicht arbeiten dürfen und der Kreml lieber den Rückzug der Beobachter und einen Pauschalverdachtin Kauf nimmt als konkrete Hinweise auf Manipulationen veröffentlicht zu haben

O.S.C.E. statements drawing attention to rigged elections in Georgia, Ukraine and Kyrgyzstan became catalysts for protests that overthrew entrenched autocratic governments in the so-called “color revolutions” of 2003 through 2005. The Kremlin has characterized these movements as a threat to regional stability and its own power.

Trotzdem macht die Entwicklung mir insgesamt ziemlich Angst. Und ich wundere mich über den unproblematischen Umgang unserer Regierungschefs mit Putin.

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Fluter Wasser-Heft

Samstag, 10. November 2007 15:22

Ich bin ein Fan des Fluter-Hefts, ein Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Die haben immer Themenhefte, in denen ansprechend verpackt, aber deswegen nicht oberflächlich, aktuelle Probleme und politische Richtungsfragen aufbereitet werden. Man kann die Hefte kostenlos per Post bekommen oder auch im Internet herunterladen.

Im letzten Heft ging es um Wasser. (Hier als pdf. Es lohnt sich wirklich! Ihm entstammen alle im Folgenden zitierten Zahlen und Fakten) Daraus ein kleine Randnotiz: Dass Leitungswasser in Deutschland ziemlich gut ist, weiß man. Dass mann auch Leitungswasser bekommt, wenn man manche Flaschenwässer kauft, wusste ich nicht. Fluter nennt als Beispiele Bonaqua (gehört übrigens Coca-Cola) und Aquafine (PepsiCo). Immerhin: Das Leitungswasser der jeweilgen Abfüllorte wird mit Mineralien und Kohlensäure angereichert.

Und noch eine echte Meldung: Für die globale Diskussion über Wasserknappheit verbreitet sich der Begriff des „virtuellen Wassers“, Wasser das zur Herstellung eines Produktes nötig ist, das beim Verbraucher gar nicht nach Wasserverbrauch aussieht.

In einer Tasse Tee stecken etwa 30 Liter, in einer Tasse Kaffee 140 Liter Wasser. Ein Problem ist, dass besonders wasserarme Länder häufig wasserverschlingende Exportgüter haben. Das liegt daran, dass dort häufig Wasser noch nichts kostet. Wir Industrieländer, mit Wasser ohnehin gut ausgestattet, bereichern uns also — böse und platt gesprochen — am Wasser der Entwicklungsländer. 53 Prozent (!) des in Deutschland verbrauchten „virtuellen Wassers“ werden importiert, neben Japan und Italien importieren wir am meisten.

Und nochmal eine kleine Rückkehr zum Veganismus-Themenkreis: Das Thema habe ich ja schon behandelt. Aber die Zahlen aus dem Fluter sind krass: Ein Kilo Rindfleisch enthält 16 000 Liter virtuelles Wasser. Insgesamt gibt Fluter an (Quellen für den Artikel sind die Wasserstiftung und UNDP), ein Vegetarier verbrauche 2,4 Kubikmeter Wasser weniger pro Tag als ein Fleisch essender Mensch. Das sind übrigens 24 000 Liter.

Go Vegan! :-)

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Brecht über Ausbeutungsbereitschaft

Dienstag, 6. November 2007 23:51

Gerade habe ich mal wieder Brechts Keunergeschichten entdeckt. Manche schon sehr direkt, die Botschaft mit der Faust aufs Auge und so. Und damit mehr Politik als Kunst. Viele aber auch sehr deutungsoffen. Und manche bei aller Klarheit der Botschaft trotzdem einfach schön.

So ist hier das Thema Ausbeutung mal von einer ganz anderen Warte aus betrachtet:

Dadurch, daß die Menschen heute zum Schaden des einzelnen ausgebeutet werden und dies also nicht wünschen, darf man sich nicht darüber täuschen lassen, daß die Menschen es wünschen, ausgebeutet zu werden. Die Schuld der sie zu ihrem Schaden Ausbeutenden ist um so größer, als sie hier einen Wunsch von großer Sittlichkeit mißbrauchen.

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Solarenergie — mal die Regierung toll finden (die Alte!)

Dienstag, 6. November 2007 17:10

Man schimpft oft genug über die Regierung und den Staat, und noch öfter hört oder sieht man geschimpft. Manchmal tut es gut, sich daran zu erinnern was gut läuft. Oder lief. Denn wie mir vor kurzem aufgefallen ist: Die Anzahl und das Gewicht der Dinge, die ich unter Rot-Gründ gut laufen fand sind deutlich höher als jetzt gerade. Zum Beispiel das hier. David Pogue schreibt in der Technik-Kolumne über Solartechnik und über Solarehäuser. Es gibt einen großen Wettbewerb, in dem die Uni Dortmund gerade den ersten Platz gewonnen hat. Das hast auch was mit den deutschen Gesetzen zu tun, schreibt Pogue:

Maybe it’s no surprise; Germany is really into solar power. By German law, if you have solar panels, the power company must buy any excess electricity you generate. As a result, families routinely pocket a handy $100 or $150 a month—from the local utility. There’s a gold rush for roof space, and solar technology is a red-hot market. It’s brilliant.

In Amerika kann man übrigens (abgesehen von wenigen regionalen Regelungen) seinen Strom überhaupt nicht einspeisen, sondern sich nur selbst versorgen. Schade.

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Imagine again – eine kleine Zeitungsnotiz zum Terror

Sonntag, 9. September 2007 0:51

Wie war das mit John Lennons „Imagine“? Stell Dir vor, es gäbe keine Länder? (Oder müsste man „Staaten“ übersetzen?) Auf jeden Fall würden wir dann keine solchen Zeitungsmeldungen lesen (der Teil, der mir aufgestoßen ist, von mir hervorgehoben):

German Police Arrest 3 in Terrorist Plot

The three Islamic militants arrested on Wednesday were in the advanced stages of plotting large-scale attacks against several sites frequented by Americans, officials said.

NYTimes-Newsletter vom 6.9.2007, „Top Stories“

Gerade vor kurzem hatten wir davon gesprochen, dass in der nationalen Presse Betroffene des jeweiligen Landes um einen vielfachen Faktor schwerer zu wiegen scheinen. Was so weit geht, dass verletzte Deutsche irgendwie berichtenswerter sind als sogar gestorbene Schweizer. Ganz zu schweigen von Afrikanern oder so…

PS: Gerade lese ich noch etwas weiter, der Artikel ist unglaublich lesenswert. Unsere (deuschen) Sicherheitsgesetze sind wohl europaweit unter den schwächsten, „in part because of Germany’s troubled 20th-century history“ – schön gesagt! Nur klingt das in dem Kontext eher bedauernd. Ich finde schon, dass wir ganz froh sein können, etwas gelernt zu haben. Die Erfahrungen mögen den Preis nicht wert sein (sie sind es bestimmt nicht), aber daraus lernen ist das Beste was wir heute machen können.

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