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Digitale Bücher

Dienstag, 23. Oktober 2007 11:43

Dass Google (und natürlich auch Microsoft) versuchen, Bücher zu digitalisieren und damit jedem im Internet einfach verfügbar zu machen ist toll. Dass jemand mit der Open Content Alliance auf die Idee kommt, das auf Non-Profit-Basis zu machen, ist toller. Und das es einige Bibliotheken gibt, die das bevorzugen, finde ich richtig stark.

Die NYTimes (Libraries Shun Deals to Place Books on Web, 22.10.2007) schreibt:

But the resistance from some libraries, like the Boston Public Library and the Smithsonian Institution, suggests that many in the academic and nonprofit world are intent on pursuing a vision of the Web as a global repository of knowledge that is free of business interests or restrictions.

Es lebe der Idealismus!

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Arzneimittelforschung

Donnerstag, 30. August 2007 13:36

Schon einige Zeit schlummert ein Artikel aus der SZ in meiner „zu bearbeiten“-Abteilung. Um genau zu sein seit dem 18. Mai 2007… Er hat an Aktualität nichts verloren.

Dass Pharmakonzerne große Summen in die Forschung investieren ist bekannt. Ebenso, dass sie die Ausgaben mit patentgeschützten Produkten wieder erwirtschaften. Und auch dass dabei Produkte, die von wenig zahlungskräftigen Patienten, etwa in der dritten Welt, gebraucht würden, auf der Strecke bleiben. In einem Interview mit Tido von Schön-Angerer von der Organisation Ärzte ohne Grenzen erfährt man einige konkrete Zahlen hierzu:

SZ: Welche Rolle spielt der afrikanische Kontinent für die Industrie?

Schön-Angerer: Der Absatz in Afrika macht ein Prozent des pharmazeutischen Weltmarktes aus. Deshalb bestehen kaum Anreize, die Entwicklung von Medikamenten gegen armutsbedingte Krankheiten voranzutreiben.

SZ: Wie viel investieren die Konzerne in Arzneien gegen Tropenkrankheiten?

Schön-Angerer: Sehr wenig. Nur ein Prozent von allen echten Innovationen galten in den letzten Jahren den vernachlässigten Krankheiten.

Eigentlich müsste ich jetzt in eine längere Abhandlung über Marktmechanismen übergehen. Aus dem VWL-Nebenfach weiß ich, dass man dort versucht, Umverteilung und Güterbereitstellung getrennt voneinander zu denken. Das Problem ist also nicht, dass Medikamente für die Kunden entwickelt werden, die bereit sind dafür Geld auszugeben. Sondern dass die Menschen in der dritten Welt kein Geld haben. Kein Marktproblem, sondern ein politisches Problem also…

Und ohne weiter auszuholen möchte ich anmerken, dass dieses Problem tatsächlich nicht in den Kern meiner Kapitalismuskritik fällt, zu der ich demnächst einen erweiterten Grundriss online stellen will.

Trotzdem sehen auch Ökonomen Möglichkeiten, das Angebot besser an den realen Bedarf anzupassen:

Schön-Angerer: Experten wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz diskutieren Versuche und Modelle, um die Entwicklungskosten einer Arznei nicht über den Preis gegenzufinanzieren. Sie können die Entwicklung etwa vorfinanzieren lassen. Möglich ist auch das Ausschreiben von Preisgeldern — bevor an einem Medikament geforscht wird. Wer das Mittel in solch einem Forschungswettbewerb liefert, bekommt das Geld.

SZ: Das klingt sehr vage. Wer soll die hohen Investitionskosten tragen?

Schön-Angerer: Dieselben Menschen, die die hohen Investitionskosten heute schon bezahlen. Menschen wie Sie und ich, über Steuern und Versicherungen.

Ohne den Markt ganz umkrempeln (quasi entmarkten) zu wollen scheint das der einzige Weg zu sein: dafür zu sorgen, dass sich mit dem, was dringend gebraucht wird, auch am meisten Geld verdienen lässt. Ob wir (will heißen: Staat, Bürger, Steuerzahler) so viel ausgeben können, wie sich mit der Behandlung von Zivilisations-Mode-Krankheiten verdienen lässt scheint mir allerdings fragwürdig.

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Pharma-Firmen, Markt und Gesundheit und so …

Mittwoch, 13. Juni 2007 22:32

Ein schon etwas älterer Artikel aus der NYTimes, mit immer noch schockierendem Inhalt. Das Thema ist ein für mich mittlerweile schon recht altes, für das ich aber gerne Belege sammle, mit einer Mischung aus Freude und Grauen, um ganz ehrlich zu sein.

Es bestätigt sich meine These, dass ein Unternehmen, um am Markt zu bestehen, nicht nur versuchen kann, sich optimal an die Bedürfnisse der Konsumenten anzupassen — sondern auch einfach die Nachfrage der Konsumenten an die eigenen Produkte anpassen. Das klappt besonders gut, wenn die Konsumenten gar nicht selbst informiert entscheiden können, etwa bei Empfängern von Medikamenten, und noch besser natürlich bei Kindern:

From 2000 to 2005, drug maker payments to Minnesota psychiatrists rose more than sixfold, to $1.6 million. During those same years, prescriptions of antipsychotics for children in Minnesota’s Medicaid program rose more than ninefold.

Those who took the most money from makers of atypicals tended to prescribe the drugs to children the most often, the data suggest. On average, Minnesota psychiatrists who received at least $5,000 from atypical makers from 2000 to 2005 appear to have written three times as many atypical prescriptions for children as psychiatrists who received less or no money.

Psychiatrists, Children and Drug Industry’s Role — New York Times, Hervorhebungen von mir

Erstaunt es wirklich, dass das an Ärzte bezahlte Geld deren Verschreibungspraxis beeinflusst? Würden die Firmen diese Zahlungen vornehmen, wenn es nicht so wäre? Finden wir das schön, wenn es um Psychopharmaka geht?

Nachdem ich das Zitat nochmal gelesen habe überwiegt doch wieder das Grauen…

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Unternehmen in der Verantwortung

Dienstag, 20. März 2007 15:39

Unser Bundespräsident mahnt die Unternehmen zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung, dasselbe tut die Bundeskanzlerin. Durchaus in schönen Worten, hier zum Beispiel Köhler:

„Es reicht nicht mehr, sich nur um die Arbeitnehmer zu kümmern und ab dem Werkstor ist es wurscht“, sagte Bundespräsident Horst Köhler dem Magazin Focus.

Köhler wies die Firmen auf eine Fülle von Möglichkeiten hin, sich zu beteiligen, wie die Ausstattung von Schulen mit Computern oder die Renovierung von Klassenräumen.

Nur gesunde Unternehmen können sich sozial engagieren“, sagte der Bundespräsident, der auf seiner Lateinamerika-Reise zahlreiche sozial engagierte Unternehmer getroffen hatte. „Aber nur Unternehmen, die sich sozial engagieren, bleiben auf Dauer auch erfolgreich.“

Appell des Bundespräsidenten Köhler mahnt deutsche Wirtschaft zu mehr Verantwortung — Deutschland — sueddeutsche.de (Hervorhebung von mir)

Erstens wäre es schon mal nett, wenn sich um Arbeitnehmer gekümmert würde.

Zweitens hat Köhlers Aussage einen ganz zentralen Haken. Die hervorgehobene Behauptung ist nämlich erst mal das: eine Behauptung. Warum es sich für die Unternehmen lohnen soll, sich zu engageiren, leuchtet mir nicht ein.

Wobei ich an der Stelle betonen möchte, dass es sich natürlich lohnt, als sozial engagiert in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Allerdings ist echtes Engagement dafür meiner Meinung nach so ungefähr der schlechteste Weg. Und die immens wachsenden Ausgaben für PR legen nahe, dass das nicht nur ich so sehe.

Irgendwie hat das Thema einen Bezug zur Evolutionstheorie. Wie soll in einem „grausamen“ System, in dem jeder für sich selbst sorgen, jeder individuell vorankommen muss (sei das nun das Verbreiten der Gene oder erhöhen des Gewinns) sich selbstloses Verhalten entwickeln?

In der „natürlichen“ Evolution scheint das vielleicht doch möglich zu sein, wie ich heute bereits geschrieben habe. Dann wollen wir für die Ökonomie mal das Beste hoffen.

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Wohin die Wirtschaft wächst

Freitag, 16. März 2007 0:23

Die Meldung ist nicht mehr ganz neu, aber auch bei wiederholtem Lesen bewegt sie mich so (in einem unangenehmen Sinn) dass ich sie hier zitieren möchte: Die Milliardäre dieser Welt besitzen dieses Jahr 35% mehr an Vermögen als letztes Jahr.

Dass dort der Großteil des Wirtschaftswachstums landet, wäre also eine nette Untertreibung. Offensichtlich muss diese Rechnung irgend jemand bezahlen. Reiche werden reicher, Arme ärmer.

Eine Antwort, wenn mich mal wieder jemand fragt, warum man überhaupt etwas ändern sollte an unserem System.

„Forbes“-Liste
Die Reichsten werden noch reicher

Der Club der Super-Vermögenden wächst unaufhaltsam. Laut US-Magazin Forbes gibt es mittlerweile 946 Milliardäre auf der Welt. Gemeinsam bringen sie es auf das unvorstellbare Vermögen von 3500 Milliarden, das sind 35 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.
“Forbes“-Liste Die Reichsten werden noch reicher — Wirtschaft — sueddeutsche.de

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Virtuelle Welten: Unbegrenztes Experimentieren

Samstag, 3. März 2007 0:03

Ich bin ja immer noch auf der Suche nach einer Psychologie, die helfen könnte, Politik und Ökonomie sinnvoll (und das heißt hier ungefähr: zum Menschen passend) zu gestalten. Das ist aber so schwer zu erforschen, dass sich die meisten Wissenschafter da nicht rantrauen — man will/muss ja zügig publizieren.

Ein bisschen bequemer wird es, wenn man das ganze virtuell macht. Deshalb finde ich folgende Entwicklung sehr spannend:

[…]

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Perspektiven: Weltkarten mal anders

Montag, 19. Februar 2007 20:42

Es lohnt sich doch auch manchmal, Zeitung zu lesen… Über Jos fleißige Lektüre der SZ-Wissens-Seite bin ich auf eine Internetseite aufmerksam gemacht worden, die unter verschiedenen Aspekten verzerrte Weltkarten zeigt: Worldmapper. Bekanntermaßen ist ja unsere altbekannte, eurozentrische Weltkarte insofern schon heikel, als sie eine winkeltreue, aber damit zwangsläufig nicht flächentreue Projektion der Erde in die Ebene darstellt.

Der Unterschied ist übrigens wirklich erstaunlich: Man vergleiche die gängige Mercator-Projektion mit der alternativen Peters-Projektion.

Doch auch darüber hinaus können Weltkarten andere Informationen vermitteln, als üblicherweise damit getan wird. Worldmapper verzerrt dafür die Weltkarte nach verschiedenen Kriterien. Interessante Einstiesgspunkte sind die Lebenserwartung, Wohlstand im Sinne von hohem BIP, und die Sterblichkeit von Kindern zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr.

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Wikipedia und die Universitäten

Mittwoch, 14. Februar 2007 16:02

Über Bastis Blog erfahre ich von der Idee, die Universitäten ins Wikipedia-Projekt zu integrieren, sowohl technisch (Wikipedia braucht viele große Server) als auch inhaltlich/fachlich.

On a simple level this might mean Universities could donate money to help keep it afloat, why not is would be much more cost effective than paying for a subscription to Britannica Online. On a more radical level it might mean that Universities become invested in the content of Wikipedia. That is what if professors took time to update, manage, watch and contribute to Wikipedia, becoming a public intellectual

academhack » Blog Archive » The Future of Wikipedia

Mir scheint das Kernproblem hier in der Fortschreitenden Ökonomisierung der Wissenschaft und der Universitäten zu liegen. Je mehr sowohl die Uni als auch der einzelne Wissenschaftler für ihr Vorankommen darauf angewiesen sind, besser als andere zu sein, desto geringer naheliegender Weise ihre Motivation, ihre Ressourcen kostenlos zu teilen.

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Unswoosh

Dienstag, 13. Februar 2007 3:52

Ich habe mir gerade ein neues Paar Stiefel gekauft, mit dem ich schon lange geliebäugelt hatte: Die tollen „Blackspot Sneaker V2“. Sehen cool aus, tragen sich hervorragend, aber was sie vor allem auszeichnet:

it’s made in a safe, comfortable union factory with all– vegetarian materials, including 100% organic hemp uppers and recycled tire soles. One of the Earth-friendliest shoes around.

BlackSpot Shoes

Für mich war das also vor allem ein guter Weg, vegane Schuhe zu bekommen, habe sie auch über eine Seite aus der Veganer-Szene bestellt, die ich bei der Gelegenheit auch nicht-Veganern sehr empfehlen möchte: Roots of Compassion.

Ich habe mich dabei schon ein bisschen gewundert, wo der Marken-Hass herkommt, der hinter der Sache eigentlich mehr als vegane Ideale steckt. Und es jetzt zufällig herausgefunden: Der Druck zu Markenklamotten ist unter jungen Leuten in Amerika ein echtes Problem, was auch einen berühmten Basketballer motiviert hat, mit einer eigenen Billigserie auf den Markt zu gehen, die auch cool sein soll, ohne dass die Käufer verarmen oder Opfer von Raubüberfällen werden:

[…]

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Wir werden alle glücklich sein: Positive Psychologie

Dienstag, 13. Februar 2007 2:52

Eine Entwicklung der zeitgenössischen Psychologie macht mir gerade Angst. Sie kommt (wie könnte es anders sein) aus Amerika, ist mit einem der ganz großen Namen der modernen, kogntiven Psychologie verbunden (Martin Seligman, bekannt für seine Arbeit zu Depression), und mit einer netten Anekdote verknüpft:

Seligman likes to tell the story of how his daughter Nikki, when she was 5, accused him of being a grouch. She reminded him that he had criticized her for being whiny and that she had worked hard to stop whining. If she could stop being whiny, he could stop being grumpy. He realized, he says, that she was right, that he was “a pessimist and depressive and someone of high critical intelligence” and that he needed to change. Seligman, who at 54 had just been elected president of the American Psychological Association and was renowned for his hard science — most of his research had been in depression — decided to put his considerable talents into finding out “what made life worth living.”

Happiness 101 — New York Times

Im Grunde tut er damit ja etwas, was ich auch mache, zur Zeit ja mal wieder besonders intensiv. Wo er allerdings hinkommt auf seiner Suche, das finde ich gruselig:

[…]

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