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	<title>Gedankenraum &#187; Deutsch</title>
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	<description>Meine Gedanken. Deine Gedanken. Unsere Gedanken</description>
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		<title>Der Weg des Diogenes</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jun 2013 10:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Zynismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus „Komm ich erzähl Dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay eine kleine Solche. Der Weg des Diogenes Eines Tages saß Diogenes auf der Schwelle irgendeines Hauses und aß einen Teller Linsen. In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht. Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, daß man sich in einer [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aus „Komm ich erzähl Dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay eine kleine Solche.</p>
<blockquote><p><strong>Der Weg des Diogenes</strong></p>
<p>Eines Tages saß Diogenes auf der Schwelle irgendeines Hauses und aß einen Teller Linsen. In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht. Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, daß man sich in einer äußerst prekären Situation befand.</p>
<p>Ein Minister des Kaisers sagte zu ihm: »Wie bedauerlich für dich, Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu sein und dem Kaiser ein bißchen mehr zu schmeicheln, müßtest du nicht so viele Linsen essen.«</p>
<p>Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah den wohlhabenden Gesprächspartner fest an und antwortete: »Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müßtest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.«</p></blockquote>
<p>(<a href="http://blogorama.eisbrecher.net/2011/11/24/jorge-bucay-komm-ich-erzahl-dir-eine-geschichte/">Quelle</a>)</p>
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		<title>Psychotherapie-Witze — verschiedene Therapeuten erklären den Weg zum Bahnhof</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 11:58:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Quatsch]]></category>

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		<description><![CDATA[Einer meiner Lieblingswitze, d.h. eigentlich eine Serie von Witzen, den ich schon so oft googeln musste, dass ich ihn jetzt mal hier festhalte. Erklärt, was verschiedene Therapieschulen und andere soziale Berufe im Kern so machen in jeweils einem Satz. Ein Passant fragt: „Wo geht’s denn hier zum Bahnhof?“ Es antwortet ihm ein: Gesprächspsychotherapeut: „Sie wissen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Einer meiner Lieblingswitze, d.h. eigentlich eine Serie von Witzen, den ich schon so oft googeln musste, dass ich ihn jetzt mal hier festhalte. Erklärt, was verschiedene Therapieschulen und andere soziale Berufe im Kern so machen in jeweils einem Satz.</p>
<p>Ein Passant fragt: „Wo geht’s denn hier zum Bahnhof?“ Es antwortet ihm ein:</p>
<p><span id="more-1899"></span></p>
<p><strong>Gesprächspsychotherapeut</strong>: „Sie wissen nicht, wo der Bahnhof ist und das macht Sie nicht nur traurig, sondern auch ein Stück weit wütend.“</p>
<p><strong>Verhaltenstherapeut</strong>: „Heben Sie zuerst den rechten Fuß und schieben Sie ihn vor. Setzen Sie ihn auf. Sehr gut. Super!“</p>
<p><strong>Psychoanalytiker</strong>: „Sie meinen diese dunkle Höhle, wo immer was Langes rein und raus fährt?“</p>
<p><strong>Familientherapeut</strong>: „Was glauben Sie, denkt Ihre Schwester, was Ihre Eltern fühlen, wenn die hören, dass Sie zum Bahnhof wollen?“</p>
<p><strong>Provokativtherapeut</strong>: „Ich wette, da werden Sie nie drauf kommen!“</p>
<p><strong>Lösungsorientierter Therapeut</strong>: „Gab es schon mal die Ausnahme, dass Sie den Bahnhof gefunden haben? Was hatten Sie da anders gemacht?“</p>
<p><strong>NLPler</strong>: „Stell dir vor, du bist schon im Bahnhof — welche Schritte hast du zuvor getan?“</p>
<p><strong>Gestalttherapeut</strong>: „Du, lass es voll zu, dass du zum Bahnhof willst.“</p>
<p><strong>Psychodramatherapeut</strong>: „Zum Bahnhof. Fein. Das spielen wir mal durch. Geben Sie mir Ihren Hut, ich geben Ihnen meine Jacke und dann…“</p>
<p><strong>Hypnotherapeut</strong>: „Schließen Sie die Augen. Entspannen Sie sich. Fragen Sie ihr Unterbewusstsein, ob es Ihnen bei der Suche behilflich sein will.“</p>
<p><strong>Tiefenpsychologe</strong>: „Sie wollen verreisen?“</p>
<p><strong>Pädagoge</strong>: „Ich weiß natürlich, wo der Bahnhof ist. Aber ich denke, dass es besser für dich ist, wenn du es selbst herausfindest.“</p>
<p><strong>Sozialpädagoge</strong>: „Ich weiß es auch nicht, aber ich finde es total gut, dass wir beide so offen darüber reden können.“</p>
<p><strong>Sozialarbeiter</strong>: „Keine Ahnung, aber ich fahre Sie schnell hin.“</p>
<p><strong>Bioenergetiker</strong>: „Ihr Körper kennt die Antwort schon. Machen Sie mal: sch… sch… sch…“</p>
<p><strong>Esoteriker</strong>: „Wenn du da hin sollst, wirst du den Weg auch finden.“</p>
<p><strong>Neurologe</strong>: „Sie haben also die Orientierung verloren. Passiert Ihnen das öfter?“</p>
<p><strong>Psychiater</strong>: „Bahnhof? Zugfahren? Welche Klasse?“</p>
<p><strong>Coach</strong>: „Wenn ich Ihnen die Lösung vorkaue, wird das Ihr Problem nicht dauerhaft beseitigen.“</p>
<p><strong>Lehrer</strong>: „Wenn Sie aufgepasst hätten, müssten Sie mich nicht fragen!“</p>
<p><strong>Priester</strong>: „Heiliger Antonius, gerechter Mann, hilf, dass er ihn finden kann. Amen!“</p>
<p>(<a href="http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/texte/therapie-witze.phtml">Quelle</a>, leicht verändert und gekürzt)</p>
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		<title>Wulff als Bundespräsident, Internationale Politik und zynische Politiker</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jul 2011 18:08:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zynismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ZEIT hat ein schönes Interview mit Wulff. Naja, vieles ist vielleicht zu angenehm zu lesen, trotzdem fand ich ein paar Anregungen zu den im Titel genannten Themen. Hier sind sie: Zunächst finde ich es bedenklich, wenn Politiker_innen den Glauben an ihr eigenes Tun verlieren, das erinnert mich an Sloterdijks Zynismus, ein Thema das ich [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die ZEIT hat ein schönes <a href="http://www.zeit.de/2011/27/Interview-Wulff/komplettansicht">Interview mit Wulff</a>. Naja, vieles ist vielleicht zu angenehm zu lesen, trotzdem fand ich ein paar Anregungen zu den im Titel genannten Themen. Hier sind sie:</p>
<p><span id="more-1445"></span></p>
<p>Zunächst finde ich es bedenklich, wenn Politiker_innen den Glauben an ihr eigenes Tun verlieren, das erinnert mich an Sloterdijks Zynismus, ein <a href="/tag/zynismus/">Thema</a> das ich sicherlich wieder aufgreifen werde.</p>
<blockquote><p>Ich erlebe, dass Politikerverdrossenheit heute eine Ausweitung erfährt: nicht mehr nur von Bürgern gegenüber Politikern. Inzwischen sind Politikerinnen und Politiker häufig verdrossen, verdrossen über ihre eigene Tätigkeit und ihre Rolle, die ihnen noch zukommt, verdrossen über ihren schwindenden Einfluss.</p></blockquote>
<p>Zum anderen war es gut für mich, ein zentrales Problem der modernen Politik auf den Punkt gebracht zu lesen: Es ist gut und in vieler Hinsicht unabdingbar, dass Politik zunehmend International passiert. Und es ist auch so, dass damit leider Demokratie geschwächt wird.</p>
<blockquote><p>Intergouvermentales Agieren geht zu häufig auf Kosten von Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Es kostet Vertrauen. Deshalb müssen Entscheidungen angemessen kommuniziert und erklärt werden.</p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu Wulff sehe ich das Problem mit Transparenz und Kommunikation keinesfalls als gelöst an. Es müssen vielmehr in dem Maße, wie Entscheidungen eine höhere Entscheidungsebene als den Nationalstaat benötigen, diese höheren Ebenen stärker demokratisch legitimiert werden. Und für die EU haben wir da ja schon eine parlamentarische Struktur, die nur gestärkt werden muss. Noch internationaler ist natürlich kniffelig, aber in die Richtung sollten die Bemühungen gehen. Nationale Volksabstimmungen zu internationalen Themen können jedenfalls auf Dauer nicht die Lösung sein.</p>
<p>Zum Abschluss ein unerwartetes Lob für die Grünen, das ich teile und das ein zentraler Teil meiner Verbundenheit zu dieser Partei ist:</p>
<blockquote><p>Ich empfinde es als positiv, dass die Grünen einen Parteitag zur Frage der Energiewende abgehalten und dort um ihre Position gerungen und darüber abgestimmt haben. Es hätte auch denen gut angestanden, zu einer solchen fundamentalen Richtungsveränderung der deutschen Politik einen Parteitag einzuberufen, die diese Veränderung jetzt vollziehen und noch vor Monaten eine andere Entscheidung – auf einem Parteitag – getroffen haben.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Tanzania 9 — Reflexionen zu Leben, Liebe, Entwicklung</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 16:57:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreise 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungszusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Freude und einer gewissen Wehmut bediene ich mich wieder mal meiner Muttersprache, um etwas Ordnung in den Strom der Gedanken und Gefühle der letzten Monate zu bringen. Und Tansania war und ist sicherlich der bis jetzt anregendste Teil der Reise, für so ziemlich alle zentralen Themen der menschlichen Existenz gibt es Material zur Betrachtung [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Freude und einer gewissen Wehmut bediene ich mich wieder mal meiner Muttersprache, um etwas Ordnung in den Strom der Gedanken und Gefühle der letzten Monate zu bringen. Und Tansania war und ist sicherlich der bis jetzt anregendste Teil der Reise, für so ziemlich alle zentralen Themen der menschlichen Existenz gibt es Material zur Betrachtung und Problematisierung. Und das klingt schon danach, was es ist — in weiten Teilen ein eher betrübliches Bild, das mich mindestens in Bezug auf Afrika recht pessimistisch stimmt. Ich kann die Afrikaromantik, die in Europa glaube ich recht verbreitet ist, nicht nachvollziehen. Das heißt nicht, dass es hier keine fröhlichen Menschen gibt — aber ich denke, wer den Eindruck bekommt, dass die Menschen hier fröhlicher sind als daheim, hat den falschen Freundeskreis. Oder hat nur die Euphorie und Neugier eines kurzen Besuchs mitbekommen, es ist erstaunlich, wie viel Freude ein „mzungu“ (Weiße/r) hier auslöst, obwohl schon einige unterwegs sind. Es heißt auch sicherlich nicht, dass wir von den Kulturen hier nichts lernen können, ganz und gar nicht. Aber es sagt schon was, wenn die Mehrheit der jungen Leute, mit denen ich spreche, gerne hier weg möchte — und zwar für immer.</p>
<p><span id="more-1441"></span></p>
<p>Bezüglich der Entwicklungshilfe sehe ich immer düsterer. Ein Afrika-Reisebuch, über das ich bald noch ein bisschen schreiben werde (Dark Star Safari von Paul Theraux) hat da auch interessante Anregungen. Es scheint mir ziemlich klar, dass die großen Projekte, die mit wenig lokaler Beteiligung und viel Technik (und damit letztlich Arbeit) aus dem Geberland durchgeführt werden, nicht funktionieren. Und ich befürchte zunehmend, dass selbst kleine Projekte wie die von Action 5, die ausschließlich auf lokale Initiative und unter lokaler Leitung zustande kommen, zu einer Kultur der Abhängigkeit beitragen. Denn in Kombination sind auch sie ein steter Strom von Geld ins Land, der Teil eines neuen, kuriosen Gleichgewichtes geworden ist. Abgesehen von verhältnismäßig kleinen Regierungsprojekten hat das meiste, was sich hier in Kagondo tut, ein kleines „Projekt“ und einen westlichen Geber im Hintergrund, angefangen von Schulmaterial und den von Action 5 organisierten und gemeinsam mit der deutschen Botschaft finanzierten Wassertanks für die Primärschulen über das Krankenhaus bis hin zum neuen Dach für die Kirche. Und das scheint mir auch der erste Gedanken zu sein, wenn irgendwo irgendwas fehlt — an wen können wir ein „proposal“ schicken. Das setzt sich das dann so fort, dass die meisten Leute hier wenn sie was brauchen als erstes an Justus denken, der in Doppelfunktion als Ratsmitglied und Action 5-Leiter als die lokale Geldverteilung wahrgenommen wird, und darunter auch sichtlich zu leiden hat. Es war faszinierend und ein bisschen erschreckend zu beobachten, wie die Bittsteller sich aneinanderreihen (er hat mir anvertraut, dass er eine Liste führt, die ich aber bisher versäumt habe mir mal zeigen zu lassen). Denn diese besondere Art von Überzeugungskraft, die sich vielleicht noch besser spüren lässt, wenn man die Sprache kaum versteht, kenne ich aus Europa von — Alkoholikern. Und das ist irgendwie meine Metapher geworden für das Verhältnis von afrikanischem Leben und westlichem Geld. Jenseits dieser psychologischen Seite ist eine andere Sorge von mir, dass nach Regierungsposten NGO-Arbeit die attraktivste Anstellung ist, und für einen ja irgendwie irgendwann nötigen produzierenden Sektor nicht viel qualifiziertes Personal übrig bleibt. Dass das nicht reine Präferenz ist (wenn auch teilweise) sondern auch mit Schwierigkeiten, für kleinere Unternehmen (jenseits des Mini-Entrepreneuriats am unteren Ende der Gesellschaft) Kapital zu beschaffen, ist ein anderes Thema, auf das ich in einem praktischen Beitrag eingehen werde, und was mir gerade als Entwicklungsprojekt und Ergänzung zu Action 5 im Kopf herumschwirrt.</p>
<p>Jedenfalls scheint die Gesellschaft ökonomisch zwischen Subsistenz und einer wachsenden Abhängigkeit von industriellen Produkten, die aber nicht im Land hergestellt werden festzuhängen. Und ähnlich sieht es interessanterweise auch mit dem Beziehungsleben aus, das mich auch (sofern in Gesprächen und Außenbeobachtung zu beurteilen) gründlich erschreckt hat. Auch hier gilt für mich jedenfalls: Es sagt schon was, wenn fast jeder mit dem man sich unterhält sagt, dass es schlimm sei, Männer wie Frauen. In einem Satz ist mein Gefühl, dass auch hier die traditionellen Rollen nicht mehr funktionieren (z.B. arbeiten Frauen zunehmend), aber es auch noch kein stabiles neues Modell gibt. Im Gespräch mit den Schülern über Leben und Zukunft höre ich diesbezüglich von den Jungs: Ja, ich will heiraten, aber es ist schwierig (heißt hier: teuer, und meint nicht nur das immer noch übliche Brautgeld). Von den Mädels: Ja, schon, aber erst nach dem College (ist die Hoffnung, in der Realität natürlich früher). Von den Männern höre ich Beschwerden, dass man sich auf die Treue der Frauen nicht verlassen kann, dass sie oft noch anderes „business“ haben (ich glaube die Begriffswahl sagt hier viel), und überhaupt man oft von ihnen ausgenutzt wird, ihnen die Ausbildung finanziert und dann verlassen wird. Außerdem behalten sie ihr Geld für sich, wenn sie selbst was verdienen in der Ehe, geben es für ihren eigenen Luxus und Vergnügen (Frisur, Kleidung, Handy) aus. Umgekehrt sehe ich die Frauen in einer halb-devoten Rolle: Wenn man zusammensitzt, es kommt ein Mann dazu und ist kein Platz frei, geht die Frau zur Seite, sitzt am Boden etc. Und selbstverständlich haben auch die arbeitenden Frauen noch volle Verantwortung für Haushalt, Kochen und Kinder. Es scheint für einige der Kolleginnen ein ziemlich perfektes Modell, dass sie mit Kindern (konkret junge Frauen mit meist einem Kleinkind) alleine hier leben, der Mann einige Reisestunden weg, und wird dann in den Ferien mal besucht. Und mir klingelt immer noch die wie aus der Pistole geschossene Antwort von einer Kollegin im Ohr, auf meine Bemerkung „ihr heiratet früh“, halb lachend halb ernst: „Ja, wir sind arm!“</p>
<p>Meine etwas philosophischere Einschätzung ist, dass hier die meisten Frauen eines echten Sinns und weitgehend der Selbstbestimmung in ihrem Leben beraubt sind, und sich deshalb einem (relativen) Konsumismus hingeben. Und dass in vielen Ehen die kulturellen Muster und Vorgaben gegeneinander ausgespielt werden, in einer Art passiv-aggressivem kalten Krieg: „Es muss was zu Essen auf dem Tisch stehen, und Putzen und Waschen gehen mich nichts an“ — „Du hast für mich und die Kinder aufzukommen, unsere Ausgaben sind Deine Sache“. Es ist für mich auch keine Überraschung, dass für die so zu Hausangestellten gewordenen Frauen die Gefahr real ist, dass andere Frauen aufregender sind, und Eifersucht ein großes Problem ist. Mehr überraschend und schockierend war zu hören, wie nahe vor-eheliche Beziehungen und Prostitution sich sind: Es scheint die Norm zu sein, dass der Mann besonders zum Anlass des Sex Geschenke und Zuwendungen springen lässt, durchaus auch Bargeld (evtl. euphemisiert als „für die Fahrt“). Auch das für mich ein Ausdruck der relativen Macht– und Perspektivenlosigkeit der Frauen in der Gesellschaft. Es gibt sogar ein eigenes Wort in Kiswahili für einen älteren Mann, der sich mit Geld und Geschenken sexuellen Zugang zu einer jungen Frau, oft sogar einer Schülerin, verschafft: Fataki. Und es gibt Artikel in Jugendmagazinen und Beiträge im Fernsehen dagegen. Umgekehrt bekommen natürlich auch die Männer nicht das, was sie sich wünschen: Eine echte Beziehung, die auch emotionalen Gehalt hat, und auf die man sich verlassen kann (Und: Ja, Männer wünschen sich das, dort wie hier). Was für mich illustriert, was ich zunehmend für eine Art Naturgesetz des Feminismus halte: Unterdrückung auf der einen Seite führt zu Unglück auf beiden Seiten. Was natürlich nicht impliziert, dass das Unglück gleich tief ist. Und auch die Frage nach den idealisierten guten alten Zeiten offen lässt, die ja auch schon sehr asymmetrisch waren. Die Lösungsansätze sind jedenfalls verblüffend: Ich kann von einem jungen Mann, der selbst auf der Uni war, hören, dass eine Frau nicht zu gebildet (verbildet?) sein sollte. Ein anderer Mann erklärt, er hoffe auf eine Weiße, die seien ehrlich. Ich denke mir innerlich: Du wirst die Augen rollen, „bwana“ (Herr). Spannenderweise gibt es ja mindestens künstlerisch-anekdotische Berichte von westlichen Frauen, die sich in eine traditionelle afrikanische Ehe begeben. Aber selbst wenn sich da jemand tatsächlich entscheidet, seine Selbstbestimmung aufzugeben, ist das ja dann eine (selbstbestimmte?) Entscheidung, ganz andere Sache als in diese Unfreiheit geboren zu sein.</p>
<p>Auch der nächste wichtige Aspekt des Lebens neben materieller Versorgung und „Liebes“beziehung, die Freundschaften und nachbarschaftliche Beziehungen, scheint mir unter einem Schatten des ökonomischen Drucks zu liegen. Wer etwas mehr hat als die anderen hat jedenfalls keinen Mangel an Freunden und Gästen, und hier fand ich an dem Afrika-Klischee viel Wahres: wer seinen Kopf etwas rausstreckt, an dem wird von allen Seiten gezerrt, und Freundschaften zu pflegen wird zu einem großen Ausgabenposten. Dem man sich übrigens nicht entziehen kann — es scheint mir keinen sozial akzeptierten Weg zu geben, einen potenziellen „Gast“ abzuweisen. Wer lange genug bei Dir zu Hause sitzt muss zum Abendessen eingeladen werden, was auch zu einem kleinen Machtkampf werden kann, der das Abendessen tief in die Nacht hinein verzögert. Dass ständig Herden von Nachbarskindern zum Fernschauen, Spielzeug benutzen und für kleine Zwischenmahlzeiten im Haus sind ist dann auch selbstverständlich. Habe das auch selber erlebt: ein paar von den kleinen „mandazi“, frittierte Kuchen, fürs Samstagsfrühstück gekauft (Sonntag ist wegen Kirche um 7:30 hier wenig gemütlich), und dann noch etwas gewartet, weil ich gerne mit dem Gastbruder frühstücken wollte. Ruck zuck sah ich mich hungrig-gierigen Blicken ausgesetzt, und hatte am Ende 2 von meinen 8 Kuchen übrig. Das hat natürlich was von einer traditionellen Sozialversicherung, aber in dem Fall sind die Abgaben (prozentual) deutlich höher als in Deutschland.</p>
<p>Auch die üblichen langwierigen Begrüßungen auf der Straße haben was sehr schönes und entspannendes, wenn man entspannt ist. Ich kenne einige Leute, die wenn sie wo hin müssen auf einem Hinterweg das Dorf verlassen, weil einfach an jemandem, den man kennt, vorbeizufahren geht nicht. Ich glaube auch hier treffen ein Alltag, der zunehmend manchmal einen Termin mit Uhrzeit vorsieht, und eine Tradition von langsam fließendem Leben aufeinander und verursachen innerliche Reibung. Spannend finde ich auch die Zusammenkünfte anlässlich der (häufigen…) Beerdigungen. Das „Wohnzimmer“ der traditionellen Hütte wird mit frischem Gras bestreut, und eine Menge Leute sitzen da zusammen. Und sitzen. Ich fand das nach anfänglicher Irritation eigentlich sehr angenehm, eine schweigende Gemeinschaft, die ein gutes Gefühl von Halt gibt. Gleichzeitig scheinen mir auch außerhalb von Beerdigungen Zusammentreffen oft zentral darin zu bestehen, dass man zusammen ist. Und es kann auch echt schwer sein, ein Gespräch zu führen, weil so häufig jemand kommt und geht, und ständig Handys klingeln. An die man auch immer dran geht, wie mir scheint in der Überzeugung, dass das dem Zusammensein keinen Abbruch tut.</p>
<p>Bleibt noch das Thema Religion, das mich auch seit ich hier bin immer wieder beschäftig. In mir selbst spüre ich ein starkes Widerstreben gegen die demütigenden Rituale (wieder und wieder endlos auf die Holzbank knien) ebenso wie gegen den sozialen Druck — es scheint jeder zu bemerken und zu kommentieren, ob man in der Kirche war. Da ist es das Kleinste, dass die Spenden in kleinen Umschlägen mit Namen abgegeben werden, und nach Monat und Jahr Summen gebildet werden — wir haben ja auch eine Kirchensteuer, und ein Priester muss leben. Und absurdes christliches (oder muss ich sagen: katholisches) Gedankengut trägt sicher viel zu den Probleme hier bei, von Safer Sex über die Eheprobleme bis hin zur Homophobie, die auch unter gebildeten Menschen erschreckend hoch ist — und religiös begründet wird. Alles in allem hat mich das in meinem Agnostizismus radikalisiert, und in der Überzeugung dass kein Weg daran vorbei führt dass Menschen verdammt noch mal selber nachdenken (und diskutieren) was richtig und falsch ist.</p>
<p>Andererseits erlebe ich die alten Priester hier im Dorf als Leuchttürme der Bildung und Menschlichkeit, und war sogar dazu angeregt, meine Gedanken zum Zölibat neu zu durchdenken (in die Richtung, dass es eine machtvolle Wirkung im Leben haben kann, besonders wenn die Alternative Ehen wie hier sind, aber bin immer noch überzeugt dass es als generelle Verpflichtung überwiegend Leid und Probleme verursacht). Und die meisten Individuen und Gruppen, die sich hier für’s Gemeinwohl einsetzen, haben einen stark religiösen Hintergrund. Und teilen dann ihren eigenen Wohlstand in einem Ausmaß, der selbst die hartgesottensten Philanthropen im Westen beschämen muss. Wobei da sicher auch die Gedankenfigur einen Beitrag leistet, die mir ebenfalls mehrmals begegnet ist: „Wenn ich sehe, dass mein Nachbar den ganzen Tag nichts isst, oder sein Kind wegen 10 Euro fehlendem Schulgeld von der Schule geworfen wird, wie kann ich dann …“ Und der Nachbar ist da eben kein metaphorischer Nachbar oder „Nächster“, sondern wohnt wirklich nebenan, während das Elend von Europa aus bequem weit weg ist.</p>
<p>Dann wieder andererseits ist natürlich da die ketzerische Frage, inwiefern das christliche Geben vor Ort ähnliche strukturelle Probleme hat wie die Entwicklungshilfe von außen, und mit dieser im Guten wie im Schlechten am selben Strang zieht. Aber das ist sehr spekulativ.</p>
<p>So, das ist mit einem tiefen Seufzer meine Afrika-Kritik. Ein Leben sicher nicht ohne glückliche Momente, die vielleicht auch heller strahlen weil sie so selten sind, aber eingebettet wie mir scheint in einen Strom von Sorgen. Dennoch ist das stereotype „Entspannt-Sein“ sicherlich da. Und ist vielleicht auch etwas, das ich zurück nach Hause mitnehmen kann. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich im gemeinsamen Ideenraum unserer (westlichen) Kultur eine Dichotomie von getriebener Produktivität oder entspanntem Nichtstun eingestellt hat. Was ja auch oft von der eigenen (mindestens meiner) Erfahrung bestätigt wird, wenn man aus so einer getriebenen Phase in die Entspannung eintritt und die Tage „nutzlos“ verstreichen. Aber das ist sicherlich auch ein Vorteil meiner Reise: Die relative Entspannung ist jetzt so lang, dass ich deutlich spüren kann, dass  sich daraus ein von Innen kommender und freudiger Drang zur Tätigkeit entwickelt. Und dass man das auch im einzelnen Tag pflegen kann. Aber dazu mehr, wenn sich meine Erfahrung damit noch etwas gesetzt hat.</p>
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		<title>Wikipedia beim Arbeiten zuschauen</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 00:38:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Willkommen in der Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Via ZEITonline twitter: Sehen, was in Wikipedia gerade verbessert wird (ziemlich exotisches Zeug mittlerweile, trotzdem ein erhebendes Gefühl, dem Wissen eine Weile beim Wachsen zuzuschauen):]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Via <a href="http://twitter.com/#!/zeitonline/status/24871035954274304">ZEITonline twitter</a>: Sehen, was in Wikipedia gerade verbessert wird (ziemlich exotisches Zeug mittlerweile, trotzdem ein erhebendes Gefühl, dem Wissen eine Weile beim Wachsen zuzuschauen):</p>
<p><span id="more-917"></span></p>
<p><script type="text/javascript"> var zeit_widget_wikifeeder_width=520;</script><script type="text/javascript" src="http://phpscripts.zeit.de/widgets/wikipediafeed/js/widget.js"></script></p>
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		<title>The Guest House von Rumi</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 20:21:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein lieber Freund hat mir ein Gedicht mit auf die Reise gegeben, das ich hier weiter teilen möchte — und für mich selbst bereithalten, bevor es in den Tiefen des Posteingangs abtaucht. Eine wunderbare Haltung, die einen für echte Begegnungen mit der Welt öffnen kann. Es bereitet einen bestimmt genauso gut auf die manchmal nicht [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein lieber Freund hat mir ein Gedicht mit auf die Reise gegeben, das ich hier weiter teilen möchte — und für mich selbst bereithalten, bevor es in den Tiefen des Posteingangs abtaucht. Eine wunderbare Haltung, die einen für echte Begegnungen mit der Welt öffnen kann.</p>
<p>Es bereitet einen bestimmt genauso gut auf die manchmal nicht gar so beschaulichen Weihnachtstage vor, und wir alle stellen uns ja einen Jahreswechsel oft als einen neuen Anfang vor. Naja, ohne mehr Vorrede hier das Gedicht:</p>
<p><span id="more-899"></span></p>
<blockquote><p><strong>The Guest House</strong> </p>
<p>This being human is a guest house.<br />
Every morning a new arrival. </p>
<p>A joy, a depression, a meanness,<br />
some momentary awareness comes<br />
as an unexpected visitor. </p>
<p>Welcome and entertain them all!<br />
Even if they’re a crowd of sorrows,<br />
who violently sweep your house<br />
empty of its furniture,<br />
still, treat each guest honorably.<br />
He may be clearing you out<br />
for some new delight. </p>
<p>The dark thought, the shame, the malice,<br />
meet them at the door laughing,<br />
and invite them in. </p>
<p>Be grateful for whoever comes,<br />
because each has been sent<br />
as a guide from beyond.</p>
<p>~ Rumi ~</p></blockquote>
<p>Der Autor ist übrigens ein persischer Mystiker und Dichter des 13. Jahrhunderts, über den Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dschalal_ad-Din_ar-Rumi">eine ganze Menge zu sagen hat</a>.</p>
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		<title>Blüten der modernen Gesellschaft: Scheidungen als Investition</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 16:12:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Welt in Zahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lese gerade einen Artikel, der mir mal wieder das Gefühl gibt, unserer Welt in vieler Hinsicht den Spiegel vorzuhalten. Ein paar Facetten davon möchte ich hier weitergeben, ohne das Bild viel zu kommentieren. Es geht um einen neuen Wirtschaftszweig in den USA. Wohl schon länger ist es üblich, dass Investoren Menschen finanzieren, die mit [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese gerade einen Artikel, der mir mal wieder das Gefühl gibt, unserer Welt in vieler Hinsicht den Spiegel vorzuhalten. Ein paar Facetten davon möchte ich hier weitergeben, ohne das Bild viel zu kommentieren. Es geht um einen neuen Wirtschaftszweig in den USA. Wohl schon länger ist es  üblich, dass Investoren Menschen finanzieren, die mit Klagen vor Gericht Geld gewinnen können, den Rechtsstreit aber nicht selbst finanzieren können. Kommt es zum Gewinn, wird dieser zwischen Investor und Kläger aufgeteilt. Erst jetzt wurde aber entdeckt, dass auch Scheidungen solch lukrative juristische Auseinandersetzungen sein können. Wobei ein bisschen Idealismus mindestens bei manchen der Unternehmen auch dabei ist:</p>
<p><span id="more-894"></span></p>
<blockquote><p>“Everybody knows somebody where at the end of the day, the divorce was not equitable,” she said. “We want to help those people, the underdog, to make sure they get their fair share.” [Stacey Napp, founder of Balance Point]</p></blockquote>
<p>Das Unternehmen hat sie nach ihrer eigenen Scheidung gegründet. Und dazu passt auch das Profil der „Kund_innen“:</p>
<blockquote><p>Her customers fall into a pattern. They are women. They generally do not have jobs. They often are raising small children. And their husbands run their own businesses, making it tough to obtain financial information.</p></blockquote>
<p>Das Kundenspektrum bietet auch einen Blick in den Grenznutzen von Geld, wenn man so möchte:</p>
<blockquote><p>The company wants to focus on people with marital assets between $2 million and $15 million, a bracket Ms. Napp described as “the lower end of the high end.” She said that investing in smaller disputes was not worthwhile. Wealthier people, she said, seemed to resolve divorces more easily — perhaps because they still felt wealthy in the aftermath. “Anything south of $15 million, when you divide that in half and take out the legal fees, you’re not in the same house, you’re not taking the same trips — your life is different,” she said. “You can’t maintain that same quality of life that you’re used to.”</p></blockquote>
<p>Zum Abschluss zwei Nebenschauplätze. Erstens: Wie steht es um die Rechtsstreit-Industrie insgesamt?</p>
<blockquote><p>While this business is in its infancy, Balance Point is part of a bigger trend — the growing industry that invests in other people’s lawsuits, arming plaintiffs with money to help them win more money from defendants. Banks, hedge funds and boutique firms like Balance Point now have a total of $1 billion invested in lawsuits at any given time, industry participants estimate.</p>
<p>Lawsuit lenders initially focused on personal injury cases, but over time they have sought new frontiers, including securities fraud cases brought by disgruntled investors, whistleblower claims against corporations and property development disputes.</p></blockquote>
<p>Zweitens: Warum ist ein solcher Unternehmenszweig für Scheidungen besonders wichtig?</p>
<blockquote><p>Divorce cases may be a promising niche for lenders because costs can mount quickly — some top lawyers in Los Angeles charge more than $500 an hour — and because state laws uniformly require plaintiffs to pay lawyers upfront, rather than promising them a contingency fee, or a share of any winnings, as is common in other civil cases.</p>
<p>The state laws were written to make people think twice before pursuing a divorce.</p></blockquote>
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		<title>SZ Kommentare zu Stuttgart 21</title>
		<link>https://gedankenraum.neuerplan.org/2010/12/04/sz-kommentare-zu-stuttgart-21/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Dec 2010 15:48:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der viel gelobte Schlichtungsprozess um Stuttgart 21 ist also zu Ende, und es sieht nicht so aus, als ob jetzt Frieden um das Bahnhofsprojekt einkehren würde. In der SZ gab es zwei eher kritische Kommentare zu Prozess und Ergebnis, einer von Heribert Prantl und einer von Andreas Zielcke. Prantls Fazit: Das Schlichtungsprojekt ist zukunftsweisend. Mit [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der viel gelobte Schlichtungsprozess um Stuttgart 21 ist also zu Ende, und es sieht nicht so aus, als ob jetzt Frieden um das Bahnhofsprojekt einkehren würde. In der SZ gab es zwei eher kritische Kommentare zu Prozess und Ergebnis, einer von <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/stuttgart-schlichtungsspruch-geissler-ein-projekt-mit-zukunft-1.1030456">Heribert Prantl</a> und einer von <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/heiner-geissler-und-stuttgart-die-lizenz-zur-vollstreckung-1.1031587">Andreas Zielcke</a>. Prantls Fazit:</p>
<p><span id="more-892"></span></p>
<blockquote><p>Das Schlichtungsprojekt ist zukunftsweisend. Mit dem Eisenbahnprojekt auch in der Geißlerschen Version verhält es sich freilich wie mit einem verkrüppelten Weihnachtsbaum: Viele schöne Kugeln ändern am Fehlwuchs nichts; aber der glitzernde Schmuck macht den Anblick gefälliger. Für eine wirklich große und gute Lösung kam die Schlichtung zu spät; sie war das zu späte Ergebnis einer bürgerlichen Erhebung. Niemand kann dann in nur neun Sitzungen und hundert Stunden die Fehler von zwanzig Jahren beheben.</p></blockquote>
<p>Was Prantl sehr positiv beurteilt sind die Folgen für zukünftige Großprojekte, und für unsere demokratische Kultur. Künftig müssten Bürger ernster genommen werden, gleichzeitig hätten die langen Live-Übertragungen gezeigt, dass auch anspruchsvolle Kost von den Bürgern angenommen wird, und dass Demokratie Spaß machen kann. Wir seien auf dem Weg in eine neue, mediale Zivilgesellschaft:</p>
<blockquote><p>Die Schlichtung war ein Experiment, bei dem Vertreter der internetgestärkten Zivilgesellschaft mit Vertretern der repräsentativen Demokratie am Tisch saßen. Aus dem Experiment ist nun ein Vorbild geworden: Politiker werden künftig mit ihren Bürgern anders umgehen müssen.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/heiner-geissler-und-stuttgart-die-lizenz-zur-vollstreckung-1.1031587">Andreas Zielcke schreibt länger</a>, bemängelt mehr Substanzielles an der inhaltlichen Lösung, und verurteilt auch den Prozess: „Ein schlechteres Modell demokratischer Konfliktlösung kann es kaum geben.“</p>
<p>Inhaltlich argumentiert er, dass ein Baustopp bis zum Ergebnis des verordneten Stresstests logisch zwingend gewesen sei, und ein Volksbefragung naheliegend und sinnvoll gewesen wäre.</p>
<p>Aber seiner Meinung nach ging es bei der Schlichtung eigentlich nicht um inhaltliche Lösungen:</p>
<blockquote><p>Darum war die Schlichtung in Wahrheit keine Entscheidungsfindung, sondern der Versuch, die Ohnmächtigen mit dem harten Faktum ihrer feststehenden Niederlage zu versöhnen. Sie war therapeutisch angelegt, nicht offen. Man lieh ihnen nicht das Recht, nur das Ohr. Offenheit hätte vorausgesetzt, dass Bahn– und Staatsvertreter ihre S-21-Rechtstitel dem Schlichter zur Disposition stellen.</p></blockquote>
<p>Spannend finde ich auch seine prozessualen Einwände gegen die Schlichtung. Da ist zunächst die Asymmetrie an Information und Expertise:</p>
<blockquote><p>So konnte die Bahn an der Gegenseite das Fehlen ausgereifter Alternativkonzepte schmähen, die sie selbst schon vor vielen Jahren — aus planerischen wie aus demokratischen Gründen — hätten vorlegen müssen. Dass sich die Gegner aus einer solchen schwer benachteiligten Lage heraus des S-21-Projekts erwehren müssen, haben nicht sie, sondern Bahn und öffentliche Hand zu verantworten. Eine peinliche, dumme Arroganz.</p></blockquote>
<p>Daneben sie die Fragestellung der Schlichtung mit der Abwägung S21 oder K21 zu sehr verkürzt gewesen, eigentlich zentrale Themen wie dritte Möglichkeiten (etwa eine teilweise Tunnelung nach dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weinbergtunnel">Zürcher Modell</a>) oder auch mögliche andere Verwendungszwecke für die Mittel (etwa die Rheintaltrasse) blieben außen vor.</p>
<p>Das Thema schließlich, das das Projekt am ehesten legitimieren könnte, sei im Planungsverfahren wie in der Schlichtung komplett im Schatten geblieben: Die Chance, die Stuttgarter Innenstadt nach S21 neu zu erfinden:</p>
<blockquote><p>Gemeint ist die Tatsache, dass der Stadt mit dem Zuwachs von 100 Hektar faktisch eine Neugründung ihrer Innenstadt bevorsteht. Gemessen daran sind Bahnhofsumbau und Gleisführung, mögen sie auch den Auslöser darstellen, für die Zukunft der Stadt geradezu zweitrangig.</p></blockquote>
<p>Die Grundstücke seien lange nur als Finanzierungsmasse verstanden worden, und das aus der Schlichtung hervorgegangene Stiftungsmodell sei zwar eine Verbesserung, aber gleichzeitig immer noch ignorant gegenüber der Bedeutung der anstehenden Veränderungen, und ein Misstrauensvotum der Stadt gegen sich selbst.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kein Fuchsbandwurm in wilden Beeren</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Dec 2010 13:34:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie gut, dass die ZEIT in der Serie „Stimmt’s“ nach und nach mit den Überzeugungen aufräumt, die unseren Alltag steuern und oft genug einschränken. Und wer wurde noch nicht beim Anblick verlockender Beeren auf einer Wanderung von wohlmeinenden Freunden vor dem Fuchsbandwurm gewarnt? Zu Unrecht. Zwar ist die Infektion mit dem Fuchsbandwurm wirklich gefährlich. Aber [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gut, dass die ZEIT in der Serie „<a href="http://www.zeit.de/stimmts">Stimmt’s</a>“ nach und nach mit den Überzeugungen aufräumt, die unseren Alltag steuern und oft genug einschränken.</p>
<p>Und wer wurde noch nicht beim Anblick verlockender Beeren auf einer Wanderung von wohlmeinenden Freunden vor dem Fuchsbandwurm gewarnt? <a href="http://www.zeit.de/2010/35/Stimmts-Fuchsbandwurm">Zu Unrecht</a>. Zwar ist die Infektion mit dem Fuchsbandwurm wirklich gefährlich. Aber es gab 2008 nur 26 Fälle in Deutschland. Und die haben sehr wahrscheinlich nichts mit Beeren zu tun:</p>
<p><span id="more-889"></span></p>
<blockquote><p>Der Molekularbiologe Klaus Brehm sagt: »Es ist für keinen einzigen Patienten erwiesen, dass er sich so angesteckt hat.« Und Andreas Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung sagt, die Warnungen würden von der »Risiko-Industrie« hervorgebracht. Tatsächlich geht die Hauptgefahr einer Infektion von Haustieren aus, die eine befallene Maus oder Ratte gefressen haben.</p></blockquote>
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		<title>Bisphenol A — Wirtschaft, Wissenschaft, Politik</title>
		<link>https://gedankenraum.neuerplan.org/2010/11/26/bisphenol-a-wirtschaft-wissenschaft-politik/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 23:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Christoph]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Neuer Plan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hoffe, dass die Nachrichten über diese Sache bald ein Ende haben — nachdem ich schon vor drei Jahren darüber gelesen habe bin ich wohl sensibilisiert, und stolpere immer wieder über einen Artikel. Nachdem sich am Beispiel Bisphenol A sehr gut die Gefahren von industriefinanzierten wissenschaftlichen Studien zeigen ließen, und in den USA die Regulierung [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hoffe, dass die Nachrichten über diese Sache bald ein Ende haben — nachdem ich schon vor drei Jahren darüber gelesen habe bin ich wohl sensibilisiert, und stolpere immer wieder über einen Artikel. Nachdem sich am Beispiel Bisphenol A sehr gut die <a href="/2007/02/13/die-wissenschaft-und-das-liebe-geld/">Gefahren von industriefinanzierten wissenschaftlichen Studien</a> zeigen ließen, und in den USA die <a href="/2010/01/20/gesundheit-bisphenol-a-im-plastik-revisited/">Regulierung voranschritt</a>, liefert die Substanz jetzt den Anlass für <a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-11/das-alltagsgift?page=all">einen Artikel in der ZEIT</a> über die Verquickung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA mit der Industrie. Viele Mitglieder sind gleichzeitig einer Organisation der Chemie– und Lebensmittelindustrie. Entsprechend lax fallen ihre Regulierungen aus:</p>
<p><span id="more-886"></span></p>
<blockquote><p>Die EFSA, meint darum Sarah Häuser, Chemieexpertin der Umweltorganisation BUND, sei „regelrecht unterwandert“. Die im September noch einmal bestätigte Entscheidung der Behörde zur Unbedenklichkeit von BPA zeige „deutlich, dass die interessierte Industrie dort mehr Gehör findet als unabhängige Forscher.“ Diesen Eindruck bestätigt auch Andreas Gies, Fachmann für Umweltchemikalien beim Umweltbundesamt (UBA). Die EFSA stütze sich fast ausschließlich auf Studien, die von der Industrie bezahlt seien und „die Finanzierung bestimmt das Ergebnis“, klagt Gies.</p></blockquote>
<p>Die Argumentation der EFSA treibt laut dem Toxikologen Gilbert Schönfelder von der Berliner Charité wilde Blüten:</p>
<blockquote><p>Im Tierversuch sei nachgewiesen, dass BPA die Fruchtbarkeit mindern und das Erbgut verändern könne. Darum sei es „nicht akzeptabel“, dass die EFSA-Experten mehr als 80 Studien über BPA-Funde im menschlichen Blut aus der Bewertung ausschließen und so die tatsächliche Belastung im Alltag unterschätzen, klagt er. Zur Begründung heißt es in den EFSA-Gutachten, die Messungen seien ungenau und mit den bekannten Aufnahmepfaden nicht erklärbar – nach Meinung von Schönfelder eine unhaltbare Argumentation. „Wenn die Daten der Hypothese widersprechen, dann muss die Hypothese zurückgewiesen werden, nicht die Daten“, forderten er und vier weitere Toxikologen.</p></blockquote>
<p>Nachdem insgesamt die Hinweise sehr stark sind, dass die Geldgeber einen großen Einfluss auf die Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen haben, wüsste ich wirklich gerne, wie der zustande kommt. Ich bin jemand, der grundsätzlich ungern böse Absicht unterstellt. Aber wenn es daran nicht liegt, müsste das nicht heißen, dass die wissenschaftliche Methodik so schwach ist, dass sehr subtile Vorannahmen und Motive der Forschenden derart durchschlagen können? Keine schöne Vorstellung.</p>
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