<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Gedankenraum &#187; Religion</title>
	<atom:link href="http://gedankenraum.neuerplan.org/tag/religion/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://gedankenraum.neuerplan.org</link>
	<description>Meine Gedanken. Deine Gedanken. Unsere Gedanken</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Feb 2012 09:21:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Tanzania 9 — Reflexionen zu Leben, Liebe, Entwicklung</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/06/29/tanzania-9-reflexionen-zu-leben-liebe-entwicklung/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/06/29/tanzania-9-reflexionen-zu-leben-liebe-entwicklung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 16:57:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreise 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungszusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=1441</guid>
		<description><![CDATA[Mit Freude und einer gewissen Wehmut bediene ich mich wieder mal meiner Muttersprache, um etwas Ordnung in den Strom der Gedanken und Gefühle der letzten Monate zu bringen. Und Tansania war und ist sicherlich der bis jetzt anregendste Teil der Reise, für so ziemlich alle zentralen Themen der menschlichen Existenz gibt es Material zur Betrachtung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Freude und einer gewissen Wehmut bediene ich mich wieder mal meiner Muttersprache, um etwas Ordnung in den Strom der Gedanken und Gefühle der letzten Monate zu bringen. Und Tansania war und ist sicherlich der bis jetzt anregendste Teil der Reise, für so ziemlich alle zentralen Themen der menschlichen Existenz gibt es Material zur Betrachtung und Problematisierung. Und das klingt schon danach, was es ist — in weiten Teilen ein eher betrübliches Bild, das mich mindestens in Bezug auf Afrika recht pessimistisch stimmt. Ich kann die Afrikaromantik, die in Europa glaube ich recht verbreitet ist, nicht nachvollziehen. Das heißt nicht, dass es hier keine fröhlichen Menschen gibt — aber ich denke, wer den Eindruck bekommt, dass die Menschen hier fröhlicher sind als daheim, hat den falschen Freundeskreis. Oder hat nur die Euphorie und Neugier eines kurzen Besuchs mitbekommen, es ist erstaunlich, wie viel Freude ein „mzungu“ (Weiße/r) hier auslöst, obwohl schon einige unterwegs sind. Es heißt auch sicherlich nicht, dass wir von den Kulturen hier nichts lernen können, ganz und gar nicht. Aber es sagt schon was, wenn die Mehrheit der jungen Leute, mit denen ich spreche, gerne hier weg möchte — und zwar für immer.</p>
<p><span id="more-1441"></span></p>
<p>Bezüglich der Entwicklungshilfe sehe ich immer düsterer. Ein Afrika-Reisebuch, über das ich bald noch ein bisschen schreiben werde (Dark Star Safari von Paul Theraux) hat da auch interessante Anregungen. Es scheint mir ziemlich klar, dass die großen Projekte, die mit wenig lokaler Beteiligung und viel Technik (und damit letztlich Arbeit) aus dem Geberland durchgeführt werden, nicht funktionieren. Und ich befürchte zunehmend, dass selbst kleine Projekte wie die von Action 5, die ausschließlich auf lokale Initiative und unter lokaler Leitung zustande kommen, zu einer Kultur der Abhängigkeit beitragen. Denn in Kombination sind auch sie ein steter Strom von Geld ins Land, der Teil eines neuen, kuriosen Gleichgewichtes geworden ist. Abgesehen von verhältnismäßig kleinen Regierungsprojekten hat das meiste, was sich hier in Kagondo tut, ein kleines „Projekt“ und einen westlichen Geber im Hintergrund, angefangen von Schulmaterial und den von Action 5 organisierten und gemeinsam mit der deutschen Botschaft finanzierten Wassertanks für die Primärschulen über das Krankenhaus bis hin zum neuen Dach für die Kirche. Und das scheint mir auch der erste Gedanken zu sein, wenn irgendwo irgendwas fehlt — an wen können wir ein „proposal“ schicken. Das setzt sich das dann so fort, dass die meisten Leute hier wenn sie was brauchen als erstes an Justus denken, der in Doppelfunktion als Ratsmitglied und Action 5-Leiter als die lokale Geldverteilung wahrgenommen wird, und darunter auch sichtlich zu leiden hat. Es war faszinierend und ein bisschen erschreckend zu beobachten, wie die Bittsteller sich aneinanderreihen (er hat mir anvertraut, dass er eine Liste führt, die ich aber bisher versäumt habe mir mal zeigen zu lassen). Denn diese besondere Art von Überzeugungskraft, die sich vielleicht noch besser spüren lässt, wenn man die Sprache kaum versteht, kenne ich aus Europa von — Alkoholikern. Und das ist irgendwie meine Metapher geworden für das Verhältnis von afrikanischem Leben und westlichem Geld. Jenseits dieser psychologischen Seite ist eine andere Sorge von mir, dass nach Regierungsposten NGO-Arbeit die attraktivste Anstellung ist, und für einen ja irgendwie irgendwann nötigen produzierenden Sektor nicht viel qualifiziertes Personal übrig bleibt. Dass das nicht reine Präferenz ist (wenn auch teilweise) sondern auch mit Schwierigkeiten, für kleinere Unternehmen (jenseits des Mini-Entrepreneuriats am unteren Ende der Gesellschaft) Kapital zu beschaffen, ist ein anderes Thema, auf das ich in einem praktischen Beitrag eingehen werde, und was mir gerade als Entwicklungsprojekt und Ergänzung zu Action 5 im Kopf herumschwirrt.</p>
<p>Jedenfalls scheint die Gesellschaft ökonomisch zwischen Subsistenz und einer wachsenden Abhängigkeit von industriellen Produkten, die aber nicht im Land hergestellt werden festzuhängen. Und ähnlich sieht es interessanterweise auch mit dem Beziehungsleben aus, das mich auch (sofern in Gesprächen und Außenbeobachtung zu beurteilen) gründlich erschreckt hat. Auch hier gilt für mich jedenfalls: Es sagt schon was, wenn fast jeder mit dem man sich unterhält sagt, dass es schlimm sei, Männer wie Frauen. In einem Satz ist mein Gefühl, dass auch hier die traditionellen Rollen nicht mehr funktionieren (z.B. arbeiten Frauen zunehmend), aber es auch noch kein stabiles neues Modell gibt. Im Gespräch mit den Schülern über Leben und Zukunft höre ich diesbezüglich von den Jungs: Ja, ich will heiraten, aber es ist schwierig (heißt hier: teuer, und meint nicht nur das immer noch übliche Brautgeld). Von den Mädels: Ja, schon, aber erst nach dem College (ist die Hoffnung, in der Realität natürlich früher). Von den Männern höre ich Beschwerden, dass man sich auf die Treue der Frauen nicht verlassen kann, dass sie oft noch anderes „business“ haben (ich glaube die Begriffswahl sagt hier viel), und überhaupt man oft von ihnen ausgenutzt wird, ihnen die Ausbildung finanziert und dann verlassen wird. Außerdem behalten sie ihr Geld für sich, wenn sie selbst was verdienen in der Ehe, geben es für ihren eigenen Luxus und Vergnügen (Frisur, Kleidung, Handy) aus. Umgekehrt sehe ich die Frauen in einer halb-devoten Rolle: Wenn man zusammensitzt, es kommt ein Mann dazu und ist kein Platz frei, geht die Frau zur Seite, sitzt am Boden etc. Und selbstverständlich haben auch die arbeitenden Frauen noch volle Verantwortung für Haushalt, Kochen und Kinder. Es scheint für einige der Kolleginnen ein ziemlich perfektes Modell, dass sie mit Kindern (konkret junge Frauen mit meist einem Kleinkind) alleine hier leben, der Mann einige Reisestunden weg, und wird dann in den Ferien mal besucht. Und mir klingelt immer noch die wie aus der Pistole geschossene Antwort von einer Kollegin im Ohr, auf meine Bemerkung „ihr heiratet früh“, halb lachend halb ernst: „Ja, wir sind arm!“</p>
<p>Meine etwas philosophischere Einschätzung ist, dass hier die meisten Frauen eines echten Sinns und weitgehend der Selbstbestimmung in ihrem Leben beraubt sind, und sich deshalb einem (relativen) Konsumismus hingeben. Und dass in vielen Ehen die kulturellen Muster und Vorgaben gegeneinander ausgespielt werden, in einer Art passiv-aggressivem kalten Krieg: „Es muss was zu Essen auf dem Tisch stehen, und Putzen und Waschen gehen mich nichts an“ — „Du hast für mich und die Kinder aufzukommen, unsere Ausgaben sind Deine Sache“. Es ist für mich auch keine Überraschung, dass für die so zu Hausangestellten gewordenen Frauen die Gefahr real ist, dass andere Frauen aufregender sind, und Eifersucht ein großes Problem ist. Mehr überraschend und schockierend war zu hören, wie nahe vor-eheliche Beziehungen und Prostitution sich sind: Es scheint die Norm zu sein, dass der Mann besonders zum Anlass des Sex Geschenke und Zuwendungen springen lässt, durchaus auch Bargeld (evtl. euphemisiert als „für die Fahrt“). Auch das für mich ein Ausdruck der relativen Macht– und Perspektivenlosigkeit der Frauen in der Gesellschaft. Es gibt sogar ein eigenes Wort in Kiswahili für einen älteren Mann, der sich mit Geld und Geschenken sexuellen Zugang zu einer jungen Frau, oft sogar einer Schülerin, verschafft: Fataki. Und es gibt Artikel in Jugendmagazinen und Beiträge im Fernsehen dagegen. Umgekehrt bekommen natürlich auch die Männer nicht das, was sie sich wünschen: Eine echte Beziehung, die auch emotionalen Gehalt hat, und auf die man sich verlassen kann (Und: Ja, Männer wünschen sich das, dort wie hier). Was für mich illustriert, was ich zunehmend für eine Art Naturgesetz des Feminismus halte: Unterdrückung auf der einen Seite führt zu Unglück auf beiden Seiten. Was natürlich nicht impliziert, dass das Unglück gleich tief ist. Und auch die Frage nach den idealisierten guten alten Zeiten offen lässt, die ja auch schon sehr asymmetrisch waren. Die Lösungsansätze sind jedenfalls verblüffend: Ich kann von einem jungen Mann, der selbst auf der Uni war, hören, dass eine Frau nicht zu gebildet (verbildet?) sein sollte. Ein anderer Mann erklärt, er hoffe auf eine Weiße, die seien ehrlich. Ich denke mir innerlich: Du wirst die Augen rollen, „bwana“ (Herr). Spannenderweise gibt es ja mindestens künstlerisch-anekdotische Berichte von westlichen Frauen, die sich in eine traditionelle afrikanische Ehe begeben. Aber selbst wenn sich da jemand tatsächlich entscheidet, seine Selbstbestimmung aufzugeben, ist das ja dann eine (selbstbestimmte?) Entscheidung, ganz andere Sache als in diese Unfreiheit geboren zu sein.</p>
<p>Auch der nächste wichtige Aspekt des Lebens neben materieller Versorgung und „Liebes“beziehung, die Freundschaften und nachbarschaftliche Beziehungen, scheint mir unter einem Schatten des ökonomischen Drucks zu liegen. Wer etwas mehr hat als die anderen hat jedenfalls keinen Mangel an Freunden und Gästen, und hier fand ich an dem Afrika-Klischee viel Wahres: wer seinen Kopf etwas rausstreckt, an dem wird von allen Seiten gezerrt, und Freundschaften zu pflegen wird zu einem großen Ausgabenposten. Dem man sich übrigens nicht entziehen kann — es scheint mir keinen sozial akzeptierten Weg zu geben, einen potenziellen „Gast“ abzuweisen. Wer lange genug bei Dir zu Hause sitzt muss zum Abendessen eingeladen werden, was auch zu einem kleinen Machtkampf werden kann, der das Abendessen tief in die Nacht hinein verzögert. Dass ständig Herden von Nachbarskindern zum Fernschauen, Spielzeug benutzen und für kleine Zwischenmahlzeiten im Haus sind ist dann auch selbstverständlich. Habe das auch selber erlebt: ein paar von den kleinen „mandazi“, frittierte Kuchen, fürs Samstagsfrühstück gekauft (Sonntag ist wegen Kirche um 7:30 hier wenig gemütlich), und dann noch etwas gewartet, weil ich gerne mit dem Gastbruder frühstücken wollte. Ruck zuck sah ich mich hungrig-gierigen Blicken ausgesetzt, und hatte am Ende 2 von meinen 8 Kuchen übrig. Das hat natürlich was von einer traditionellen Sozialversicherung, aber in dem Fall sind die Abgaben (prozentual) deutlich höher als in Deutschland.</p>
<p>Auch die üblichen langwierigen Begrüßungen auf der Straße haben was sehr schönes und entspannendes, wenn man entspannt ist. Ich kenne einige Leute, die wenn sie wo hin müssen auf einem Hinterweg das Dorf verlassen, weil einfach an jemandem, den man kennt, vorbeizufahren geht nicht. Ich glaube auch hier treffen ein Alltag, der zunehmend manchmal einen Termin mit Uhrzeit vorsieht, und eine Tradition von langsam fließendem Leben aufeinander und verursachen innerliche Reibung. Spannend finde ich auch die Zusammenkünfte anlässlich der (häufigen…) Beerdigungen. Das „Wohnzimmer“ der traditionellen Hütte wird mit frischem Gras bestreut, und eine Menge Leute sitzen da zusammen. Und sitzen. Ich fand das nach anfänglicher Irritation eigentlich sehr angenehm, eine schweigende Gemeinschaft, die ein gutes Gefühl von Halt gibt. Gleichzeitig scheinen mir auch außerhalb von Beerdigungen Zusammentreffen oft zentral darin zu bestehen, dass man zusammen ist. Und es kann auch echt schwer sein, ein Gespräch zu führen, weil so häufig jemand kommt und geht, und ständig Handys klingeln. An die man auch immer dran geht, wie mir scheint in der Überzeugung, dass das dem Zusammensein keinen Abbruch tut.</p>
<p>Bleibt noch das Thema Religion, das mich auch seit ich hier bin immer wieder beschäftig. In mir selbst spüre ich ein starkes Widerstreben gegen die demütigenden Rituale (wieder und wieder endlos auf die Holzbank knien) ebenso wie gegen den sozialen Druck — es scheint jeder zu bemerken und zu kommentieren, ob man in der Kirche war. Da ist es das Kleinste, dass die Spenden in kleinen Umschlägen mit Namen abgegeben werden, und nach Monat und Jahr Summen gebildet werden — wir haben ja auch eine Kirchensteuer, und ein Priester muss leben. Und absurdes christliches (oder muss ich sagen: katholisches) Gedankengut trägt sicher viel zu den Probleme hier bei, von Safer Sex über die Eheprobleme bis hin zur Homophobie, die auch unter gebildeten Menschen erschreckend hoch ist — und religiös begründet wird. Alles in allem hat mich das in meinem Agnostizismus radikalisiert, und in der Überzeugung dass kein Weg daran vorbei führt dass Menschen verdammt noch mal selber nachdenken (und diskutieren) was richtig und falsch ist.</p>
<p>Andererseits erlebe ich die alten Priester hier im Dorf als Leuchttürme der Bildung und Menschlichkeit, und war sogar dazu angeregt, meine Gedanken zum Zölibat neu zu durchdenken (in die Richtung, dass es eine machtvolle Wirkung im Leben haben kann, besonders wenn die Alternative Ehen wie hier sind, aber bin immer noch überzeugt dass es als generelle Verpflichtung überwiegend Leid und Probleme verursacht). Und die meisten Individuen und Gruppen, die sich hier für’s Gemeinwohl einsetzen, haben einen stark religiösen Hintergrund. Und teilen dann ihren eigenen Wohlstand in einem Ausmaß, der selbst die hartgesottensten Philanthropen im Westen beschämen muss. Wobei da sicher auch die Gedankenfigur einen Beitrag leistet, die mir ebenfalls mehrmals begegnet ist: „Wenn ich sehe, dass mein Nachbar den ganzen Tag nichts isst, oder sein Kind wegen 10 Euro fehlendem Schulgeld von der Schule geworfen wird, wie kann ich dann …“ Und der Nachbar ist da eben kein metaphorischer Nachbar oder „Nächster“, sondern wohnt wirklich nebenan, während das Elend von Europa aus bequem weit weg ist.</p>
<p>Dann wieder andererseits ist natürlich da die ketzerische Frage, inwiefern das christliche Geben vor Ort ähnliche strukturelle Probleme hat wie die Entwicklungshilfe von außen, und mit dieser im Guten wie im Schlechten am selben Strang zieht. Aber das ist sehr spekulativ.</p>
<p>So, das ist mit einem tiefen Seufzer meine Afrika-Kritik. Ein Leben sicher nicht ohne glückliche Momente, die vielleicht auch heller strahlen weil sie so selten sind, aber eingebettet wie mir scheint in einen Strom von Sorgen. Dennoch ist das stereotype „Entspannt-Sein“ sicherlich da. Und ist vielleicht auch etwas, das ich zurück nach Hause mitnehmen kann. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich im gemeinsamen Ideenraum unserer (westlichen) Kultur eine Dichotomie von getriebener Produktivität oder entspanntem Nichtstun eingestellt hat. Was ja auch oft von der eigenen (mindestens meiner) Erfahrung bestätigt wird, wenn man aus so einer getriebenen Phase in die Entspannung eintritt und die Tage „nutzlos“ verstreichen. Aber das ist sicherlich auch ein Vorteil meiner Reise: Die relative Entspannung ist jetzt so lang, dass ich deutlich spüren kann, dass  sich daraus ein von Innen kommender und freudiger Drang zur Tätigkeit entwickelt. Und dass man das auch im einzelnen Tag pflegen kann. Aber dazu mehr, wenn sich meine Erfahrung damit noch etwas gesetzt hat.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/06/29/tanzania-9-reflexionen-zu-leben-liebe-entwicklung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Jesus and Mary (not his mother…)</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/05/21/jesus-and-mary-not-his-mother/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/05/21/jesus-and-mary-not-his-mother/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 May 2011 09:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreise 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Konstruktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=1351</guid>
		<description><![CDATA[In a Catholic environment like this one, sooner or later I had to remember the scandalous theories of Jesus being married to Mary Magdalene, or at least fathering a child with her. While I have to admit that the claims to historical evidence for this marriage don’t really convince me, I found the spiritual-religious argument [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In a Catholic environment like this one, sooner or later I had to remember the scandalous theories of Jesus being married to <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Magdalene">Mary Magdalene</a>, or at least fathering a child with her. While I have to admit that the <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Magdalene#Relationship_with_Jesus">claims to historical evidence</a> for this marriage don’t really convince me, I found the <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jesus_bloodline#History_of_the_hypothesis">spiritual-religious argument</a> striking. And I think it does a pretty good job at explaining the shortcomings of institutionalized religion with the incompleteness of the Jesus it chooses to believe in:</p>
<p><span id="more-1351"></span></p>
<blockquote><p>The symbolic significance of Jesus is that he is God exposed to the spectrum of human experience — exposed to the first-hand knowledge of what being a man entails. But could God, incarnate as Jesus, truly claim to be a man, to encompass the spectrum of human experience, without coming to know two of the most basic, most elemental facets of the human condition? Could God claim to know the totality of human existence without confronting two such essential aspects of humanity as sexuality and paternity? We do not think so. In fact, we do not think the Incarnation truly symbolises what it is intended to symbolise unless Jesus were married and sired children. The Jesus of the Gospels, and of established Christianity, is ultimately incomplete — a God whose incarnation as man is only partial. The Jesus who emerged from our research enjoys, in our opinion, a much more valid claim to what Christianity would have him be. (Baigent, Michael; Leigh, Richard; Lincoln, Henry (1982). The Holy Blood and the Holy Grail. Corgi. ISBN 0–552-12138-X.)</p></blockquote>
<p>Incidentally, also a fairly good example of what I would see as a helpful pragmatist-constructivist line of argument on the issue. What view of the world and social practices do I commit myself if I believe this or that?</p>
<p>And I am fascinated by (also historically and biblically plausible) ideas of Mary as an „<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Magdalene#Mary_Magdalene.2C_the_Original_Apostle">apostle to the apostles</a>“ and founder of a Christian movement promoting female leadership. I wish there were any of that still in the Catholic church!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2011/05/21/jesus-and-mary-not-his-mother/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Koran und Ringparabel im Dialog</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2010/08/22/koran-und-ringparabel-im-dialog/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2010/08/22/koran-und-ringparabel-im-dialog/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Aug 2010 01:26:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=698</guid>
		<description><![CDATA[In einem ZEIT Geschichte Heft zum Thema Aufklärung wird Lessings schöne Ringparabel aufgegriffen und von verschiedenen Literaten kommentiert, darunter auch Hilal Sezgin, türkischstämmige deutsche Schrifstellerin. Zunächst vollzieht sie sehr schöne eine Interpretation der Parabel als Religionsgeschichte nach — im Sinne der Erziehung des Menschen durch Gott war die Offenbarung der „einen Wahrheit“ (Selbstverständnis der meisten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem ZEIT Geschichte Heft zum Thema Aufklärung wird <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Lessing,+Gotthold+Ephraim/Dramen/Nathan+der+Weise/3.+Akt/7.+Auftritt">Lessings schöne Ringparabel</a> aufgegriffen und von verschiedenen Literaten kommentiert, darunter auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilal_Sezgin">Hilal Sezgin</a>, türkischstämmige deutsche Schrifstellerin.</p>
<p>Zunächst vollzieht sie sehr schöne eine Interpretation der Parabel als Religionsgeschichte nach — im Sinne der Erziehung des Menschen durch Gott war die Offenbarung der „einen Wahrheit“ (Selbstverständnis der meisten Religionen) ein Versuch, bzw. war für eine Zeit nötig und richtig. Doch diese Zeit geht oder ist vorbei, und der Wahrheitsglaube hat schon viel Unheil gestiftet. In der Begegnung relativiert sich nun dieser Wahrheitsanspruch, mit Lessing:</p>
<blockquote><p>Wie kann ich meinen Vätern weniger / Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt.</p></blockquote>
<p>Spannend wird es für mich, wenn Sezgin nun behauptet und mit Koranstellen belegt, dass diese Erkenntnis im Islam nicht nur Platz findet, sondern für ihn gewissermaßen schon zur Entstehungszeit fundamental war. Sie schreibt:</p>
<blockquote><p>Dieses Paradox wiederum ist mir aus dem Koran äußerst vertraut. Es ist geradezu ein Kernthema des Islams, der sich ja als jüngstes Geschwister anderer Religionen begreift, also einerseits als wahre und andererseits als nur eine unter vielen Religionen. Gott sandte seine Propheten zu allen Völkern. Zu allen! Man sollte das ruhig einmal wörtlich nehmen. Demnach sprach Gott auch zu den früheren Schamanen, zu Hindus und Buddhisten. Auch sie besitzen also Zugang zur ewigen göttlichen Wahrheit. Was lehrt uns das darüber, was es heißt, Gott ergeben zu sein?</p></blockquote>
<p>Eine beeindruckende Koranstelle dazu ist:</p>
<blockquote><p>Jedem von euch gaben Wir ein Gesetz und einen Weg. Wenn Allah gewollt hätte, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch Er will euch in dem Prüfen, was er euch gegeben hat. Wetteifert darum im Guten. (Koran 5:47)</p></blockquote>
<p>Und hiermit unterstreicht Sezgin, dass die Vielfalt sogar als positive Aufgabe verstanden werden kann:</p>
<blockquote><p>O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. (Koran 49:13)</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2010/08/22/koran-und-ringparabel-im-dialog/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Google macht Politik</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/07/11/google-macht-politik/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/07/11/google-macht-politik/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 23:45:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstgedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Stanford]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=270</guid>
		<description><![CDATA[Hier ein Artikel, den ich letzten Sommer in Kalifornien geschrieben hatte, der aber wohl irgendwie in der Röhre stecken geblieben war. Das Thema ist aber immer noch spannend, deshalb ist er hier, unverändert: Google als sehr ernst zu nehmenden Global Player und Bewahrer (hoffentlich) unserer privatesten Informationen, das sind wir gewöhnt. Aber auf dem unbedeutend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ein Artikel, den ich letzten Sommer in Kalifornien geschrieben hatte, der aber wohl irgendwie in der Röhre stecken geblieben war. Das Thema ist aber immer noch spannend, deshalb ist er hier, unverändert:</p>
<p>Google als sehr ernst zu nehmenden Global Player und Bewahrer (hoffentlich) unserer privatesten Informationen, das sind wir gewöhnt. Aber auf dem unbedeutend scheinenden Schauplatz der Anzeigenwerbung macht Google Politik. Und das ist so wichtig, dass sich Gerichte damit beschäftigen.</p>
<p>Die <a href="http://www.nytimes.com/2008/09/22/technology/22google.html">NYTimes berichtet</a> von einer Einigung bezüglich Anzeigen mit dem Stichwort „abortion“, Abtreibungen. Bisher hat Google keine Anzeigen von religiösen Gruppen zu dem Stichwort zugelassen. So heiß wie das Thema hier in den USA gehandelt wird eine mutige, wie ich finde lobenswerte Entscheidung. Dagegen wurde jetzt erfolgreich wegen religiöser Diskriminierung geklagt. Diskussionswürdig. Nicht ganz unberechtigt sicherlich, aber es werden ja nicht Angehörige einer bestimmten Religion benachteiligt.</p>
<p>Der Fall öffnet eine neue Perspektive auf Googles Rolle. Ich bin gespannt, wie groß und einflussreich diese Firma noch werden kann. Die gute Nachricht in der kleinen Sache ist jedenfalls: Werbung für Seiten mit emotionalen oder bildhaften Botschaften bliebt weiterhin ausgeschlossen. Ich glaube, das kann man Frauen (bzw. meistens wohl Mädchen) die im Internet nach Informationen suchen und vor einer ohnehin sehr schwierigen Entscheidung stehen wirklich ersparen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/07/11/google-macht-politik/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wikipedia-Soziologie</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/06/08/wikipedia-soziologie/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/06/08/wikipedia-soziologie/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 14:18:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Konstruktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Zitiert]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=427</guid>
		<description><![CDATA[Vor einer Weile habe ich hier schon Gedanken zu den Zukunftsaussichten verschiedener Enzyklopädie-Modelle veröffentlicht, und bin dabei auch kurz auf die Faszination der Auseinandersetzungen zwischen aktiven Benutzern und Gruppen auf Wikipedia eingegangen. Anlässlich eines eskalierten Streits über Artikel rund um Scientology berichtet die NYTimes und liefert damit noch ein paar interessante Facetten zu meinem älteren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einer Weile habe ich hier schon <a href="/2009/05/22/enzyklopadie-gestern-heute-und-morgen/">Gedanken zu den Zukunftsaussichten verschiedener Enzyklopädie-Modelle</a> veröffentlicht, und bin dabei auch kurz auf die Faszination der Auseinandersetzungen zwischen aktiven Benutzern und Gruppen auf Wikipedia eingegangen. Anlässlich eines eskalierten Streits über Artikel rund um Scientology <a href="http://www.nytimes.com/2009/06/08/technology/internet/08link.html">berichtet die NYTimes</a> und liefert damit noch ein paar interessante Facetten zu meinem älteren Artikel:</p>
<p><span id="more-427"></span></p>
<p>Hier zunächst das Ergebnis vor Wikipedias Schiedgericht, der höchsten Instanz dort:</p>
<blockquote><p>And it can be hard to expect neutrality on some topics. For example, the 430 Wikipedia articles about all aspects of Scientology represent a free-floating civil war, a “miasma,” in the description of Ira Brad Matetsky, a corporate litigation lawyer in New York. He is a member of Wikipedia’s Arbitration Committee, which last month waded into the sniping over the Scientology entries.</p>
<p>In a sweeping ruling with little precedent in the eight-year history of Wikipedia, the committee blocked editing from “all I.P. addresses owned or operated by the Church of Scientology and its associates, broadly interpreted.” The ruling did allow users from those addresses to appeal to be reinstated on a case-by-case basis.</p>
<p>[…]</p>
<p>The decision has a range of sanctions for dozens of users, including outspoken critics of Scientology and Wikipedia administrators, from mild chiding for poor behavior to bans on editing about Scientology to total bans. Among the violations were name-calling and repeated nullifying of the editing of others without any discussion first.</p>
<p>[…]</p>
<p>The Church of Scientology accepted its ban in that spirit, saying in a statement: “More importantly is the fact that Wikipedia finally banned those who were engaged in unobjective and biased editing for the purposes of antagonism as opposed to providing accurate information. We hope the decision will result in more accurate and useful articles on Wikipedia as the site evolves.”</p></blockquote>
<p>Die Entwicklung in Wikipedia gibt Anlass zu soziologischen Überlegungen:</p>
<blockquote><p>The discovery that Wikipedia is not the anarchic paradise some might imagine can be a shock. Others see hypocrisy, evidence that there is a class of users who control what appears there, people who benefit from Wikipedia’s huge public clout with little public scrutiny.</p>
<p>But taking the longer view, it is apparent that in its brief history, Wikipedia is quickly replicating the creation of society, from an Eden (no rules, no need for rules) to a modern entity.</p>
<p>“Bureaucracy is inevitable,” said Joseph Reagle, whose Ph.D. thesis was about the history of Wikipedia and collaborative culture, crediting the German sociologist Max Weber. “Even if you have a supposed anarchy or collective, that doesn’t mean the rules aren’t there, just that they are implicit.”</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2009/06/08/wikipedia-soziologie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Anstattsinn — Ein gut gelaunter Atheist im Interview</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/11/10/anstattsinn-ein-gut-gelaunter-atheist-im-interview/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/11/10/anstattsinn-ein-gut-gelaunter-atheist-im-interview/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 16:29:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Einfach gesagt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Zitiert]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/?p=308</guid>
		<description><![CDATA[Die SZ Wissen hat ein Interview mit dem Naturphilosophen Bernulf Kanitscheider, der einem Sinn des Lebens entschieden abschwört und an der griechischen Philosophie orientiert einen gemäßigten Hedonismus die richtige Antwort auf die Frage unserer Existenz findet. Einige Missverständnisse werden dabei schön formuliert ausgeräumt (deshalb verdient dieser Beitrag auch trotz seiner Länge den Tag „Einfach gesagt“). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die SZ Wissen hat ein <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/273/313181/text/">Interview mit dem Naturphilosophen Bernulf Kanitscheider</a>, der einem Sinn des Lebens entschieden abschwört und an der griechischen Philosophie orientiert einen gemäßigten Hedonismus die richtige Antwort auf die Frage unserer Existenz findet. Einige Missverständnisse werden dabei schön formuliert ausgeräumt (deshalb verdient dieser Beitrag auch trotz seiner Länge den Tag „Einfach gesagt“). Trotzdem bleibt bei mir ein gewisses schales Gefühl zurück. Geht die Suche doch weiter?</p>
<blockquote><p>SZ Wissen: Also noch mal die Frage: Warum also sitzen Sie hier so gut gelaunt?</p>
<p><span id="more-308"></span></p>
<p>Kanitscheider: Ich habe akzeptiert, dass man aus dem Kosmos keine Handlungsanweisungen ableiten kann, auch sonst nicht aus der Natur. Wir sind in unserer endlichen Existenz auf uns selber zurückgeworfen. Man ist auf einem Irrweg, wenn man glaubt, dass nur das wirklich bedeutsam ist, was ewig währt. Es stimmt nicht, dass der Tod die einzige bedeutungsvolle Sache im Leben ist.</p>
<p>Wer immer nur auf das Ende des Daseins blickt, nimmt sich die Chance, sein Leben erfüllt zu gestalten. Man kann es auch umgekehrt sehen: Es ist gerade die Sterblichkeit, die ein menschliches Leben kostbar macht. Wenn wir unendlich viel Zeit zur Verfügung hätten, könnten wir jedes Ziel in die unbegrenzte Zukunft verschieben.</p>
<p>SZ Wissen: Wie kann man ohne Gott Ziele für sein Leben finden?</p>
<p>Kanitscheider: Der griechische Philosoph Aristippos von Kyrene hat bereits im fünften Jahrhundert v. Chr. die Denkschule des Hedonismus begründet. Sie geht von der Einsicht aus, dass alle Lebewesen — Menschen und Tiere — Schmerz vermeiden und nach Lust und Freude streben. Diesem Streben sollten wir nachgeben und uns überlegen, wie wir diese Lust steigern können.</p>
<p>Epikur hat diese Ethik verändert und die entscheidende Frage gestellt: Wenn wir das Streben nach Lust als Prinzip setzen, wie können wird darauf eine gedeihliche Sozialstruktur aufbauen, bei der die Interessen aller Menschen vereinbar werden?</p>
<p>[…]</p>
<p>SZ Wissen: Viele werden sich lieber an den Strand legen und den Wellen zuschauen.</p>
<p>Kanitscheider: Wenn für sie die Inaktivität das höchste der Gefühle darstellt, warum denn nicht? Bereits Aristippos hat erkannt, dass die Natur des Menschen zu verschieden ist, um ihm inhaltliche Vorgaben zu machen. Für Aristoteles war die Erforschung des Weltalls das höchste Ziel des Lebens. Das wird man einem intellektuell weniger interessierten Menschen kaum vermitteln können. Ebenso wird man einen unmusikalischen Menschen nicht zum Geigespielen bringen.</p>
<p>SZ Wissen: Im allgemeinen Verständnis setzt man die hedonistische Lust eher mit dem sexuellen Vergnügen gleich.</p>
<p>Kanitscheider: Diese Einengung ist eine Folge der christlichen Diffamierung des hedonistischen Lebensziels, insbesondere durch die Kirchenväter. Augustinus nannte Epikur ein Schwein und Lüstling, weil dieser auch die Liebe positiv bewertete. Tatsächlich waren Epikur intellektuelles und kulturelles Erleben und die Freude an Kunstwerken genauso wichtig. Aber natürlich ist die Sexualität eine starke, biologisch verankerte Triebkraft und ein Quell großer Freude.</p>
<p>Es ist tragisch, dass unter dem Einfluss des Christentums und der Kirche das natürliche Sexualstreben der Menschen über Jahrhunderte geknebelt worden ist. Die Heftigkeit der Verfolgung ist unter anderem sicher auch durch das biblische Gebot im fünften Buch Mose zu erklären, das Inhumanitäten wie die Hinrichtung von Homosexuellen und Ehebrechern fordert.
</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/11/10/anstattsinn-ein-gut-gelaunter-atheist-im-interview/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mutiger Glaube</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/03/25/mutiger-glaube/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/03/25/mutiger-glaube/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2008 23:17:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Zitiert]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/03/25/mutiger-glaube/</guid>
		<description><![CDATA[Aus dem Buch „Tag für Tag zur Mitte finden — ein Lesebuch durch das Jahr“ vom Dalai Lama, in dem ich zu Hause ein wenig geschmökert habe, stammt folgendes Zitat, eine klare und mutige Ansage wie ich finde: Die menschliche Natur ist dem Wesen nach Gewaltlosigkeit. Solange das fühlende Herz und die Intelligenz des Gehirns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Buch „Tag für Tag zur Mitte finden — ein Lesebuch durch das Jahr“ vom Dalai Lama, in dem ich zu Hause ein wenig geschmökert habe, stammt folgendes Zitat, eine klare und mutige Ansage wie ich finde:</p>
<blockquote><p>Die menschliche Natur ist dem Wesen nach Gewaltlosigkeit. Solange das fühlende Herz und die Intelligenz des Gehirns nicht auseinander gerissen werden, kann der Mensch seiner Natur gemäß auch gewaltfrei bleiben.</p></blockquote>
<p>Ein so positives Menschenbild muss man sich erst mal trauen zu haben. Ich denke allerdings, es wirkt sehr im Leben alleine dadurch, dass es so stark formuliert ist.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2008/03/25/mutiger-glaube/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Religion und Gewalt – Buchempfehlung</title>
		<link>http://gedankenraum.neuerplan.org/2007/08/29/religion-und-gewalt-%e2%80%93-buchempfehlung/</link>
		<comments>http://gedankenraum.neuerplan.org/2007/08/29/religion-und-gewalt-%e2%80%93-buchempfehlung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2007 22:38:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Konstruktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Zitiert]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gedankenraum.neuerplan.org/2007/08/29/religion-und-gewalt-%e2%80%93-buchempfehlung/</guid>
		<description><![CDATA[Ich stelle hier kurz ein Buch vor, auf das ich beim Durchblättern von alten ZEIT-Artikeln gestoßen bin (oh ja, Ferien sind sooo toll!). Habe es natürlich noch nicht selbst gelesen, aber die Rezension klingt so überzeugend, dass ich es mir auf jeden Fall besorgen werde. Falls es irgendwann gebraucht zu haben ist, weil 25 Euro [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stelle hier kurz ein Buch vor, auf das ich beim Durchblättern von alten ZEIT-Artikeln gestoßen bin (oh ja, Ferien sind sooo toll!). Habe es natürlich noch nicht selbst gelesen, aber die Rezension klingt so überzeugend, dass ich es mir auf jeden Fall besorgen werde. Falls es irgendwann gebraucht zu haben ist, weil 25 Euro sind schon recht happig.</p>
<p>Jedenfalls scheint das Buch ein Glanzstück historischer Arbeit zu sein, in dem quellennah der Zusammenhang von Religion, besonders monotheistischer und ganz besonders der christlichen, mit „Toleranz und Gewalt“ (so auch der Titel des Buches von Arnold Angenendt) ausgeleuchtet wird.</p>
<p>Ein einfaches Fazit gibt es natürlich nicht. Dafür ein interessanter Gedanke auf den Weg:</p>
<blockquote><p>Angenendt zeigt, wie eng die Entwicklung des Einzelnen, der sich seiner Individualität auch bewusst ist und sich als verantwortlich und frei versteht, mit der Geschichte des biblischen Monotheismus verbunden ist. Die zahlreichen und zu Recht angeprangerten Verstöße gegen Toleranz und Freiheit in der Geschichte des Christentums erhalten erst dann die Qualität von Untaten, wenn sie an den Ansprüchen dieser Religion gemessen werden.</p>
<p><a href=&quot;http://images.zeit.de/text/2007/28/ST-Toleranz&quot; title=&quot;Zeit Artikel online&quot;>Die Zeit Nr. 28, 5.7.2007</a></p></blockquote>
<p>Ich denke insgesamt kommt das Christentum in dieser Darstellung vermutlich ein wenig besser weg, als ich es bisher betrachtet hatte. Bin jedenfalls sehr gespannt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://gedankenraum.neuerplan.org/2007/08/29/religion-und-gewalt-%e2%80%93-buchempfehlung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

